Mercer | Wechsel des Durchführungsweges

Mercer | Wechsel des Durchführungsweges

Aktuelles zum Rechnungszins

Wechsel des Durchführungsweges als Reaktion auf den Zinsrückgang

29.11.2016
Autor: Thomas Hagemann

Während in den IFRS-Abschlüssen die größten Schmerzen durch den Zinsrückgang bei den Pensionsrückstellungen bereits ausgestanden sind, ist im HGB-Abschluss eher ein Dauerschmerz zu spüren: Durch die Durchschnittsbildung sinkt der Zins über mehrere Jahre verteilt ab und belastet nun Jahr für Jahr das Jahresergebnis. Die Verlängerung des Durchschnittszeitraums von 7 auf 10 Jahre bringt lediglich im aktuellen Jahr eine gewisse Entlastung, ab 2017 sinkt der Zins dann wieder ab.

Die wirkungsvollste Maßnahme, kurzfristig zu einer Entlastung im HGB-Abschluss zu kommen, ist der Wechsel des Durchführungsweges und die Nutzung des Passivierungswahlrechtes. Als vorteilhaft hat sich dabei insbesondere die Unterstützungskasse erwiesen.

Wie kann man mit dem Wechsel des Durchführungsweges das Passivierungswahlrecht nutzen?
 

Wird der Durchführungsweg von der Direktzusage auf die Unterstützungskasse geändert und ein Beitrag an die Unterstützungskasse gezahlt, so wird die Pensionsrückstellung in der Handelsbilanz um den geleisteten Beitrag reduziert („verbraucht“). Eine vollständige Auflösung der Pensionsrückstellungen ist üblicherweise nicht möglich, weil die Höhe der Dotierung der Unterstützungskasse steuerlich begrenzt ist. Eine Restrückstellung bleibt also bestehen.

Aufgrund des Passivierungswahlrechtes nach Artikel 28 EGHGB müssen allerdings keine weiteren Zuführungen mehr vorgenommen werden, auch nicht im Jahr, in dem der Durchführungsweg gewechselt wurde. Der weitere Anstieg der Verpflichtungen durch den Zinsrückgang wird also in der Bilanz nicht mehr abgebildet, sondern muss nur noch im Anhang der Bilanz angegeben werden.

Die steuerlichen Begrenzungen bei der Dotierung der Unterstützungskasse führen jedoch dazu, dass auch in den Folgejahren noch Beiträge gezahlt werden müssen. Diese Beiträge führen zu handelsrechtlichem Aufwand in den kommenden Jahren. Der Vorteil dieser Aufwendungen liegt allerdings darin, dass sie wesentlich gleichmäßiger und kalkulierbarer anfallen. Der handelsrechtliche Aufwand wird dadurch also geglättet und tendenziell in die Zukunft verschoben.

Was ist beim Wechsel des Durchführungsweges zu beachten?
 

Nach einem Wechsel des Durchführungsweges sind steuerliche Pensionsrückstellungen für diese Verpflichtungen nicht mehr zulässig. Die steuerlichen Rückstellungen werden also vollständig aufgelöst. Da die Dotierung der Unterstützungskasse in der Regel kleiner ist als die steuerlichen Pensionsrückstellungen, ergeben sich per Saldo steuerliche Betriebseinnahmen und somit eine Steuerbelastung im Jahr des Übergangs. In den Folgejahren sind die weiteren Dotierungen dann wieder Betriebsausgaben.

Welchen Vorteil eine solche Maßnahme bietet, kann also nur auf Basis einer langfristigen Betrachtung geklärt werden. Hierfür sind Aufwendungen und Zahlungsströme mindestens für die nächsten 50 Jahre zu betrachten.

Ist der Pensionsfonds eine Alternative?
 

Das Passivierungswahlrecht kann bei allen mittelbaren Durchführungswegen genutzt werden. Um davon Gebrauch zu machen, kommt aus steuerlichen Gründen neben der Unterstützungskasse aber nur noch der Pensionsfonds in Frage. Er hat gegenüber der Unterstützungskasse Vor- und Nachteile.

Ein Nachteil liegt darin, dass der Pensionsfonds auf Basis seines Tarifs vollständig dotiert werden muss. Während also die Dotierung bei der Unterstützungskasse nach oben begrenzt ist, ist sie beim Pensionsfonds nach unten begrenzt. Besonders nachteilig ist, dass bei der üblicherweise gewählten Form des nicht versicherungsförmigen Pensionsfonds in späteren Jahren ggf. Nachschüsse anfallen. Anders als bei der Unterstützungskasse müssen entstandene Unterdeckungen zumindest bei laufenden Leistungen kurzfristig ausgeglichen werden, was zu nicht geplanten Sonderdotierungen führen kann. Unter Umständen wird also nur die Volatilität der Rückstellungen durch die Volatilität der Nachdotierungen ausgetauscht.

Die Vorteile des Pensionsfonds liegen darin, dass der PSV-Beitrag deutlich reduziert ist und die Dotierung oberhalb der steuerlichen Rückstellungen liegt und somit – wenn auch nur über 10 Jahre verteilt – steuerlich bereits früher erfasst werden kann.

  Kontaktieren Sie uns
Sie haben Fragen zum Wechsel des Durchführungsweges oder wünschen weitere Informationen zum Thema? Sprechen Sie uns an:
*Erforderliche Angaben