Mercer | Die Heubeck-Richttafeln 2018 G

Die Heubeck-Richttafeln 2018 G | Mercer

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Die Heubeck-Richttafeln 2018 G
Die Heubeck-Richttafeln 2018 G
Calendar31 Juli 2018

Am 20.07.2018 hat die Heubeck-Richttafeln-GmbH die neuen Richttafeln 2018 G veröffentlicht, die die bisherigen Richttafeln 2005 G ablösen. Am 11.10.2018 wurden die Richttafeln wegen einer Inkonsistenz in der Datengrundlage in korrigierter Fassung neu ausgeliefert. Die Heubeck-Richttafeln sind derzeit faktisch die einzigen Sterbetafeln, die für die Bewertung betrieblicher Altersversorgung in Deutschland verwendet werden. Sie enthalten neben Sterbewahrscheinlichkeiten beispielsweise auch Invalidisierungs- und Verheiratungswahrscheinlichkeiten.

Was ändert sich mit den neuen Richttafeln? 

Auf Basis statistischer Daten hat Heubeck festgestellt, dass sowohl die Sterblichkeit als auch die Invalidisierung in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Insbesondere der Rückgang der Sterblichkeit, d. h. die Erhöhung der Lebenserwartung, führt dazu, dass die Kosten der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ansteigen. 

Erstmals wurde in den Richttafeln zudem der Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und Lebenserwartung berücksichtigt: So steigt die Lebenserwartung mit zunehmendem Einkommen an. Dies wurde in den neuen Richttafeln über einen sozioökonomischen Faktor pauschal berücksichtigt, was gegenüber den bisherigen Tafeln zu einer weiteren Erhöhung der Kosten für die bAV führt. 

Unser Chefaktuar Thomas Hagemann twittert für Sie zu aktuellen Themen rund um die bAV und natürlich auch zu den neuen Richttafeln:  

Welche Bedeutung haben die neuen Richttafeln? 

Die Richttafeln 2018 G lösen die bisherigen Richttafeln 2005 G ab. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Bewertung von Verpflichtungen, die sich aus der bAV ergeben. Die Veröffentlichung der neuen Richttafeln  hat somit unmittelbare Auswirkungen auf die Pensionsrückstellungen nach HGB, IFRS, US GAAP und in der Steuerbilanz. 

Erste Berechnungen von Mercer zeigen einen Anstieg der Pensionsrückstellungen nach HGB, IFRS und US-GAAP um etwa 1 bis 2 Prozent der Verpflichtungswerte. Abhängig von der Bestandszusammensetzung, dem Rechnungszins und anderen Bewertungsannahmen können die Auswirkungen aber auch kleiner oder größer sein. Eine Verteilung des Unterschiedsbetrages wird im HGB-, IFRS- oder US-GAAP-Abschluss nicht möglich sein. In der Steuerbilanz sind die Auswirkungen niedriger. Zudem ist hier eine Verteilung auf drei Jahre gesetzlich vorgeschrieben. 

Im IFRS-Abschluss wird die Rückstellungsveränderung als Effekt aus der Änderung demografischer Annahmen erfolgsneutral erfasst. Nach US-GAAP erfolgt die Erfassung je nach Bilanzierungsmethode entweder zunächst erfolgsneutral, allerdings mit späterem Recycling über die GuV, oder sofort erfolgswirksam. Im HGB-Abschluss sind die Auswirkungen in der GuV als Aufwendungen für Altersversorgung zu berücksichtigen. Unter Umständen ist auch ein Ausweis als sonstige betriebliche Aufwendungen denkbar.

Die neuen Tafeln sind auch bei anderen Verpflichtungen (z. B. Jubiläumsleistungen, Altersteilzeit) anzuwenden. Bei diesen Verpflichtungen spielt die Sterblichkeit eine geringere Rolle, so dass die Rückstellungen wegen der Veränderungen bei der Invalidität unterschiedlich stark ansteigen oder sogar sinken können.

Ab wann sind die neuen Tafeln anzuwenden? 

Für den Jahresabschluss nach HGB, IFRS oder US GAAP sind die neuen Tafeln aufgrund ihres aktuelleren Wissenstands gegenüber den alten Tafeln grundsätzlich sofort anzuwenden. Voraussetzung ist nach Auffassung des IDW allerdings, dass die neuen Tafeln als „allgemein anerkannt“ anzusehen sind. Hierfür ist auch die Anerkennung durch die Finanzverwaltung notwendig, die mit BMF-Schreiben vom 19.10.2018 nun gegeben ist. Die neuen Tafeln müssen allerdings nicht angewandt werden, solange die Validierung/Implementierung der neuen Richttafeln durch die Rechnungslegungspraxis noch nicht hinreichend fortgeschritten ist. Es ist damit zu rechnen, dass die Anwendung spätestens für den Bilanzstichtag 31.12.2018 erforderlich sein wird. 

Steuerlich gibt es wie beim letzten Richttafelwechsel eine längere Übergangsfrist. Die neuen Tafeln dürfen sofort nach Veröffentlichung und müssen spätestens zu Bilanzstichtagen am oder nach dem 30.06.2019 verwendet werden. Der Unterschiedsbetrag zwischen den Verpflichtungswerten nach neuen und alten Tafeln ist hier allerdings zwingend auf mindestens drei Jahre zu verteilen. Die Verteilungsvorschrift gilt allerdings nur für Pensionsrückstellungen. Für andere Verpflichtungen (Jubiläum, Altersteilzeit) wird sofort auf die neuen Tafeln übergegangen.

Unternehmen, die die Richttafeln 2005 G auf den eigenen Bestand angepasst haben, können die modifizierten Richttafeln nach HGB, IFRS und US GAAP weiter verwenden. Für die Steuerbilanz fordert die Finanzverwaltung allerdings eine Überprüfung der Modifikation auf Basis der neuen Richttafeln. In diesen Fällen kann aber die steuerliche Übergangsfrist genutzt und eine Überprüfung auf 2019 verschoben werden.

Ist eine Vergleichsberechnung erforderlich? 

In IFRS-Abschlüssen ist in jedem Fall eine Vergleichsberechnung mit den alten Tafeln erforderlich, weil der Differenzbetrag zu den Verpflichtungswerten nach neuen Tafeln im Anhang angegeben werden muss. Falls weitere demografische Prämissen geändert werden, müssen die einzelnen Effekte aber nicht getrennt berechnet werden. Hier reicht also der Vergleich der Verpflichtungswerte mit alten und mit neuen demografischen Prämissen.

Nach HGB ist keine Vergleichsberechnung erforderlich.

In der Steuerbilanz muss dagegen ein Differenzbetrag ermittelt werden, weil er auf drei Jahre verteilt werden muss. Das erfordert auch im Folgejahr noch einen etwas höheren Aufwand in der Rückstellungsberechnung.

 Warum gibt es zwei Fassungen der Richttafeln? 

Am 26.09.2018 hat die Heubeck-Richttafeln-GmbH verkündet, dass die neuen Richttafeln wegen einer Inkonsistenz in der Datengrundlage angepasst werden müssen. Am 02.10.2018 wurden aktualisierte Tafeln ausgeliefert, der dazugehörende Textband wurde am 11.10.2018 nachgeliefert. Die Auswirkungen für die Verpflichtungswerte nach HGB, IFRS und US-GAAP fallen nun geringer aus: Statt 1,5 bis 2,5 Prozent des Verpflichtungsvolumens ist im Schnitt nur mit einer Erhöhung von 1 bis 2 Prozent zu rechnen.

Sofern zwischenzeitlich (beispielsweise für den Bilanzstichtag 30.09.2018) die Richttafeln 2018 G vor Korrektur verwendet wurden, werden die Ergebnisse i. d. R. von den Abschlussprüfern bzw. der Finanzverwaltung anerkannt. Zum nächsten Bilanzstichtag sind dann die korrigierten Tafeln zu verwenden.

Gelten die neuen Tafeln für alle Durchführungswege? 

Nein, nicht alle Durchführungswege sind gleichermaßen betroffen. 

Bei Unterstützungskassen spielen die neuen Tafeln bei der Bewertung einer Unterdeckung nach HGB (zum Beispiel für den Anhang der Bilanz) und dem Verpflichtungswert nach IFRS bzw. US GAAP eine Rolle, nicht aber für die steuerlichen Zuwendungen. 

Direktversicherungen verwenden eigene Rechnungsgrundlagen und sind von der Änderung nicht betroffen. 

Pensionskassen und Pensionsfonds verwenden häufig Rechnungsgrundlagen, die sich aus den Heubeck-Richttafeln (gegebenenfalls in einer früheren Fassung) durch Modifikation ergeben haben. Ob Änderungen an den Rechnungsgrundlagen erforderlich sind, prüft der verantwortliche Aktuar ohnehin regelmäßig. Für die Unternehmen zeigt der Richttafelwechsel bei diesen Durchführungswegen also keine unmittelbare Wirkung. 

Sind die neuen Tafeln auch beim Versorgungsausgleich zu verwenden? 

Auch bei der Bewertung von Pensionsverpflichtungen für den Versorgungsausgleich spielen die Richttafeln eine Rolle. Häufig ist in den Teilungsregeln vorgesehen, dass die Rechnungsgrundlagen aus dem letzten Jahresabschluss verwendet werden. In diesem Fall hat der Richttafelwechsel keine unmittelbaren Auswirkungen. 

Sind die neuen Tafeln auch bei der Kapitalisierung einer Rente oder einer Abfindung anzuwenden? 

Ja, grundsätzlich ist davon auszugehen, dass in diesen Fällen ebenfalls die neuen Tafeln anzuwenden sind.

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