Da die dramatische Situation in der Ukraine weiter anhält, möchten wir im Folgenden darstellen, wie Arbeitgeber reagiert haben, um ihre Mitarbeiter:innen in der Region auf verschiedene Weise zu unterstützen und einige Überlegungen zu den längerfristigen Auswirkungen anstellen.

1. Humanitärer/unmittelbarer Personalbedarf

Die Invasion in der Ukraine hat eine sich schnell entwickelnde humanitäre Krise in der Ukraine und die größte Fluchtbewegung von Menschen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Inmitten der Tragödie ist es gut zu sehen, dass der unmittelbare Fokus vieler multinationaler Organisationen darauf lag, sicherzustellen, dass die Menschen in Sicherheit sind und ihre Grundbedürfnisse in Bezug auf Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Bildung erfüllen können.

 

Eine Reihe von Arbeitgebern hat auf die funktionsübergreifenden Krisenmanagementteams und -strukturen zurückgegriffen, die als Reaktion auf die COVID-Pandemie entwickelt wurden und diese Teams mit der Unterstützung von Mitarbeiter:innen und deren Familien beauftragt, die von dieser Krise betroffen sind. Zu den ersten Schritten gehörten Gehalts-/Bonusvorschüsse, Tagegelder und andere außerordentliche finanzielle Unterstützung sowie logistische Hilfe für diejenigen, die unterwegs sind.

 

Diese Maßnahmen wurden nun ausgeweitet, da immer mehr Ukrainer:innen das Land verlassen und es schwieriger geworden ist, den Menschen in Kiew und anderen Städten direkte Unterstützung zukommen zu lassen. Die Unternehmen erleichtern den Weitertransport in andere Teile Europas und versuchen sicherzustellen, dass die Mitarbeiter:innen und ihre Familien an den Programmen teilnehmen können, die von den Regierungen und anderen Organisationen eingerichtet wurden, um den Zugang zu öffentlichen Diensten, einschließlich Gesundheitsversorgung und Bildung, zu gewährleisten.

 

Es liegt auf der Hand, dass die Aufgabe, die menschlichen Grundbedürfnisse von Millionen von Menschen zu decken, so groß ist, dass die Antwort und Reaktion darauf weitgehend von der Regierung geleitet werden muss (zusammen mit lebenswichtiger Hilfe von Nichtregierungsorganisationen), und dass enorme finanzielle Mittel erforderlich sein werden. Bislang befinden sich die meisten ukrainischen Flüchtlinge in Polen, und die Reaktion Polens und der polnischen Bevölkerung ist überwältigend. Wie andere Länder in Europa, die die EU-Richtlinie über vorübergehende Unterstützung umgesetzt haben, bieten sie Zugang zu öffentlicher Gesundheitsversorgung, Sozialdiensten und Bildung (was angesichts des hohen Anteils der geflüchteten Kinder von entscheidender Bedeutung ist).

 

Es besteht die große Hoffnung (wie vom polnischen Bildungsminister geäußert), dass diese Vertreibung nur vorübergehend sein wird und dass die Ukrainer:innen gerne in eine "unabhängige, freie und souveräne Ukraine" zurückkehren werden. Es ist jedoch unklar, ob und wann sie zurückkehren können, und es könnte sich um eine langwierige Krise handeln. Die staatlichen Dienste in Polen werden erheblich belastet werden; daher sollten Organisationen bei der Bereitstellung logistischer Hilfe für Mitarbeiter:innen oder Angehörige eine längerfristige Planung in Betracht ziehen und prüfen, ob andere Standorte in Europa sinnvoll sein könnten.

 

Bei allen Mitarbeitenden, sowohl in der Region als auch darüber hinaus, scheint es eine immense Hilfsbereitschaft zu geben, und die Unternehmen haben dies schnell erkannt, indem sie beispielsweise Freiwilligentage und Spendenmöglichkeiten durch Corporate-Match-Programme anbieten oder erweitern. Heutzutage hört man so viel über Initiativen zum Wohlbefinden, und da die Hilfe für andere eine anerkannte Möglichkeit ist, das Wohlbefinden zu verbessern und Stress abzubauen, scheint dies eine lohnende Möglichkeit zu sein, mehrere Ziele miteinander zu verbinden.  

2. Kurzfristige geschäftliche Widerstandsfähigkeit

Die Reaktion von Unternehmen auf die unmittelbaren Probleme war immens und sehr mitfühlend. Trotzdem müssen Organisationen auch bewerten, ob die Geschäftsabläufe weiter funktionieren können und ob/ wann ihre Notfallmaßnahmen in längerfristige Lösungen übergehen müssen.

 

Bei Unternehmen mit ukrainischen Betrieben werden die globale Lieferkette und/oder voneinander abhängige Geschäftsabläufe aktiv im Rahmen von Business Continuity Frameworks und Plänen verwaltet. Die Verfügbarkeit von Internetverbindungen und der Zugang zu sicheren Arbeitsplätzen sind unbeständig und ein großer und wachsender Teil der Arbeitskräfte ist in andere Teile der Ukraine oder Europas vertrieben worden, und viele andere haben sich freiwillig gemeldet oder wurden zu den Verteidigungstruppen einberufen.

 

Einige dieser Probleme können mit Hilfe von temporären Arbeitskräften oder der Möglichkeit, an anderen Standorten zu expandieren, gelöst werden, wobei in einigen Fällen auf geflüchtete ukrainische Arbeitnehmer:innen zurückgegriffen werden kann. Es müssen Entscheidungen über die Geschäftsprozesse getroffen werden, und es kann sein, dass man auf die Beratung von internen oder externen Parteien angewiesen ist, um die Versprechen gegenüber den Kunden weiterhin so effektiv und effizient wie möglich zu erfüllen.

 

Infolge der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und der Schritte, die viele multinationale Unternehmen in Bezug auf russische Betriebe unternommen haben, müssen die Unternehmen alle Abhängigkeiten von Anbietern oder Geschäftspartner:innen, die derzeit in Russland tätig sind, verstehen und planen. Ein Hauptaugenmerk lag bisher auf der Einhaltung von Gesetzen; da Unternehmen jedoch ihre Aktivitäten in Russland aus einer ESG-Perspektive (Environmental, Social, Governance) neu bewerten, wird dies auch weiterhin ein Bereich sein, in dem sich die Unternehmen weiterentwickeln müssen.

3. Längerfristige Standortstrategie

Es gab eine Reihe von Ankündigungen von Unternehmen, die Russland verlassen und von vielen anderen, die die Erwartung äußerten, dass es einige Zeit dauern könnte, bis sie in der Lage sind, ihre physischen Tätigkeiten in der Ukraine wieder aufzunehmen.

 

 Die Arbeitgeber sehen sich mit zwei Herausforderungen und Überlegungen konfrontiert: erstens mit der Frage, wo die vertriebenen Mitarbeiter:innen längerfristig untergebracht werden sollen und zweitens mit der Frage, wo die vertriebenen Betriebe letztendlich angesiedelt werden können. In einigen Fällen mögen diese Antworten gleich lauten; die Situation rechtfertigt jedoch eine getrennte Bewertung der Fragen, zumindest zu Beginn.

 

Eine Reihe von Arbeitgebern erwägt die Erweiterung bestehender Einrichtungen in Osteuropa, was vielleicht der zweckmäßigste Ansatz ist, aber angesichts der Gefahr einer anhaltenden geopolitischen Instabilität auch einige grundsätzliche Bedenken aufwerfen kann. In anderen Fällen können Beschäftigungsvereinbarungen über eine professionelle Arbeitgeberorganisation, ein Vertragsverhältnis oder eine direkte Beschäftigung in einem anderen Land erfolgen. Jeder dieser Ansätze birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen, und der beste Ansatz hängt von der spezifischen Situation des Arbeitgebers und seinem Umfeld ab.

 

Und schließlich wirft die große Zahl vertriebener Erwerbstätiger die Frage auf, wo sich diese Menschen niederlassen werden und wie sie kurz- und mittelfristig mit den Arbeitgebern zusammenarbeiten werden. Die Unterstützung und Einbindung dieser Arbeitskräfte kann für Arbeitgeber, die bereit sind, schnell zu reagieren, sowohl eine humanitäre als auch eine geschäftliche Chance sein, aber die Unternehmen müssen ihre Ansätze anpassen, wenn sich die Krise weiterentwickelt.

Arbeitgeber-Pulsumfrage

Mercer führte vom 21. bis 28. März eine Umfrage unter Arbeitgebern durch, um die aktuellen Überlegungen und Planungen von Arbeitgebern in diesem wichtigen Bereich zu erfassen - die Ergebnisse finden Sie hier: Russland-Ukraine-Krise: Globale Umfrage - Echtzeit-Ergebnisse

Ihre Ansprechperson:

Sebastian Karwautz
Sebastian Karwautz,
Career Leader Central & Eastern Europe

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