Der Zins fällt ins Bodenlose – was Sie beim diesjährigen Jahresabschluss beachten müssen

Mercer | Der Zins fällt ins Bodenlose – was Sie beim diesjährigen Jahresabschluss beachten müssen

Internationale Rechnungslegung

Der Zins fällt ins Bodenlose – was Sie beim diesjährigen Jahresabschluss beachten müssen

25 September 2019
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„Veränderungen der Jubiläumsrückstellungen können das Jahresergebnis 2019 deutlich belasten.“

Nach den Beiträgen im Juli  und August  berichte ich nun im dritten Monat in Folge über das Absinken des Rechnungszinssatzes. Obwohl wir Ende Juli 2019 bereits einen historischen Tiefststand erreicht hatten, ist das Zinsniveau im August stärker gesunken als in jedem anderen Monat dieses Jahres. Für eine durchschnittliche Restlaufzeit von weniger als fünf Jahren ist der Rechnungszins nach der Mercer Yield Curve negativ, und erst bei Restlaufzeiten von deutlich mehr als 20 Jahren beobachten wir einen Rechnungszins oberhalb von 1 %.


Acht Monate des Jahres sind vorüber, und in sechs davon ist der Rechnungszins teilweise deutlich gesunken. Was wird in den verbleibenden vier Monaten passieren? Wir wissen es nicht. Aber anders als im letzten Jahr, in dem der Rechnungszinssatz für eine Restlaufzeit von 15 Jahren den Korridor von 2,0 % bis 2,1 % an keinem Monatsende verlassen hat, müssen wir uns in diesem Jahr auf alle Möglichkeiten einstellen.


Und das hat erhebliche praktische Bedeutungen für die Berechnung der Pensionsrückstellungen und der Rückstellungen anderer Verpflichtungen für den Jahresabschluss.


Es fängt an mit den unmittelbaren Folgen der unsicheren weiteren Zinsentwicklung. Üblicherweise wird der Rechnungszinssatz nach IAS 19 bereits eine Zeit vor dem Bilanzstichtag festgelegt, damit die versicherungsmathematischen Bewertungen rechtzeitig vorliegen. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Rechnungszinssatz zum Bilanzstichtag aber von dem verwendeten abweicht, ist sehr groß. Sie sollten sich daher darauf einstellen, dass nach dem Bilanzstichtag eine Umbewertung oder Umschätzung auf Basis der Sensitivitäten erfolgen muss.


Betroffen hiervon ist auch der HGB-Abschluss. Zwar kann man den Rechnungszinssatz zum Jahresende bereits einige Monate vorher recht gut prognostizieren. Wenn sich allerdings das Zinsniveau in der verbleibenden Zeit bis zum Jahresende noch deutlich verändert, hat das auch Auswirkungen auf den Durchschnittszins. Das mögen nur ein, zwei oder drei Basispunkte sein. Im Einzelfall kann das aber dennoch als nicht mehr unwesentlich eingestuft werden, sodass unter Umständen sogar nach HGB neue Bewertungen nach dem Bilanzstichtag nötig werden.


Der größte Posten im Jahresabschluss sind in der Regel die Pensionsrückstellungen. Angesichts der dramatischen Veränderungen des Rechnungszinssatzes in diesem Jahr sollten allerdings auch die sonstigen Rückstellungen beachtet werden.


Insbesondere Rückstellungen für Jubiläumsverpflichtungen reagieren teilweise sehr deutlich auf Zinsveränderungen. Anders als bei den Pensionsrückstellungen sind diese Veränderungen bei Jubiläumsverpflichtungen nach IAS 19 erfolgswirksam zu erfassen. Das heißt, dass die Jubiläumsverpflichtungen das Zeug haben, das Jahresergebnis 2019 deutlich zu belasten.


Falls für Altersteilzeitverpflichtungen ein eigener Rechnungszinssatz festgelegt wird, könnte er in diesem Jahr negativ sein. Die Rückstellungen wären dann sogar höher als die Nominalverpflichtungen. Wegen der durchaus beachtenswerten Höhe dieser Rückstellungen im Jahresabschluss mancher Unternehmen kann der Zinsrückgang auch hier das Jahresergebnis deutlich belasten.


Sobald die Rechnungszins Sätze zum nächsten Monatsende feststehen, veröffentlichen wir sie auf unserer Zinsseite  und auf Twitter  und Facebook . Darüber hinaus versenden wir einmalig Mitte November und wöchentlich im Dezember einen Newsletter mit dem aktuellen Stand des Rechnungszinssatzes nach IAS 19. Falls Sie hierfür noch nicht angemeldet sind, können Sie das gerne auf unserer Zinsseite tun.

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