INTERNATIONALE RECHNUNGSLEGUNG

Drohen uns neue Anhangangaben nach IAS 19?

 

23 March 2020

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Thomas Hagemann
Chefaktuar, Mercer Deutschland
„Es ist zu begrüßen, dass die Anhangangaben klaren Zielen untergeordnet werden.“

Seit einiger Zeit beschäftigt sich das IAS-Board in London mit einem umfangreichen Projekt zur Verbesserung der Anhangangaben.

Im März 2017 wurde ein Diskussionspapier mit mehr als 100 Seiten veröffentlicht, das den Startschuss für eine intensive Beschäftigung mit dem Thema gab. Kern ist das „Anhangproblem“: Zu wenige relevante Informationen können zu Fehlinvestitionen führen. Irrelevante Informationen können relevante Informationen verdecken. Ineffektive Kommunikation kann das Verständnis der Anhangangaben erschweren.

Im weiteren Verlauf des Projekts hat das IAS-Board beschlossen, sich selbst Regeln für die Vorgaben zu den Anhangangaben in den Standards zu setzen und zwei Zielstandards zu bestimmen, in denen man die Vorgaben zur Offenlegung auf den Prüfstand stellen wollte.

Zukünftig wollte man übergeordnete Ziele für die Anhangangaben festlegen und sämtliche Anforderungen einem dieser Ziele zuordnen. Auch in den einzelnen Standards sollen zukünftig Ziele für die Anhangangaben genannt werden, so dass diese bei der Aufstellung von Geschäftsberichten berücksichtigt werden können. Sprachlich sollen die Vorgaben einheitlich und klar gefasst werden, so dass eindeutig ist, welches die Pflichtangaben sind. Als Zielstandards hat man IAS 19 „Employee Benefits“ und IFRS 13 „Fair Value Measurement“ ausgewählt. Als erstes war IAS 19 an der Reihe.

Das Verständnis, welchen Einfluss die Versorgungsleistungen auf Bilanz, Ergebnisrechnung und Zahlungsströme des Unternehmens haben, wurde zum übergeordneten, verbindlichen Ziel der Anhangangaben für Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erklärt. Die Unternehmen müssen zwingend eine angemessene Zusammenfassung oder Aufschlüsselung vornehmen, um einerseits relevante Informationen nicht durch irrelevante Informationen zu verdecken und andererseits nicht ganz unterschiedliche Sachverhalte in einen Topf zu werfen.

Daneben wurden spezifische Ziele für die Anhangangaben festgelegt:

  • Verständnis der im Geschäftsbericht angegebenen Beträge und ihrer Komponenten
  • Verständnis der Eigenschaften der Versorgungsleistungen, des Wesens und Umfangs der Risiken und der damit verbundenen Risikostrategien
  • Verständnis der zukünftigen Zahlungsströme aus der DBO
  • Verständnis des Zeitraums der Zahlungen aus geschlossenen Plänen
  • Verständnis der wesentlichen Bewertungsannahmen
  • Verständnis der Haupttreiber für Veränderungen der Nettoverpflichtung bzw. des Nettovermögens
Jede Anhangangabe wird einem dieser Ziele zugeordnet. Verpflichtende Anhangangaben werden sprachlich deutlich als Vorschrift formuliert („shall“), bei den anderen soll die Formulierung schwächer ausfallen („while not mandatory, the following may enable an entity to meet this objective“).

In den Sitzungen im November 2019  und Januar 2020  wurde die detaillierte Arbeit weitgehend zu Ende gebracht. Die einzelnen Anhangangaben wurden diesen Zielen zugeordnet, und es wurde klarer formuliert, welche Angaben verpflichtend und welche nicht verpflichtend sind. Die Anhangangaben sind teilweise identisch zu denen des aktuellen Standards, teilweise sind sie aber auch abgewandelt oder wurden neu hinzugefügt.

Welche Auswirkungen das im Einzelnen auf den Anhang der Unternehmen haben wird, ist noch schwer abzuschätzen.

Es ist sicher zu begrüßen, dass die Anhangangaben klaren Zielen untergeordnet werden und dass deutlich wird, welche Angaben verpflichtend sind und welche im Ermessen der Unternehmen stehen. Insgesamt werden die Unternehmen eine größere Verantwortung für eine verständliche, relevante Berichterstattung haben. Wenn sie diese angemessen ausfüllen, werden wichtige Informationen deutlicher zum Vorschein kommen und das Verständnis insgesamt verbessert werden.

Für die Unternehmen wird sich aber auch Umstellungsaufwand ergeben. In jedem Fall müssen die Unternehmen, wenn es zu diesen Änderungen kommt, ihren Anhang kritisch darauf überprüfen, ob die verpflichtenden Angaben enthalten sind und die vorgegeben Ziele erreicht werden. Auch wenn viele Angaben nicht verpflichtend sein werden, werden sie zur Erreichung der spezifischen Ziele möglicherweise dennoch notwendig sein – oder zumindest von den Abschlussprüfern gefordert werden. Die Umsetzung einer solchen Standardänderung wird also Arbeit machen.

Wie geht es weiter?

In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll ein „Exposure Draft“ veröffentlicht werden, also der Entwurf der konkreten Standardänderung. Dieser kann von der Fachwelt kommentiert werden. Anschließend wird das IAS-Board die eingereichten Kommentare sichten und ggf. in die Standardänderung einfließen lassen. Hieraus könnte sich 2021 eine Standardänderung ergeben, die 2022 in EU-Recht umgesetzt werden könnte.

Falls Sie sich selbst ausführlicher mit den geplanten Änderungen beschäftigen möchten: Das IAS-Board hat eine Projektseite  eingerichtet, auf der die gesamte Historie nachvollzogen werden kann.

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