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Positive Entwicklung des Durchführungsweges Pensionsfonds im Jahr 2019

 

20. November 2020

THOMAS HAGEMANN
Chefaktuar, Mercer Deutschland
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Der Durchführungsweg Pensionsfonds hat sich im Jahr 2019 positiv entwickelt. Das geht aus den aktuellen Daten hervor, die die BaFin im Rahmen der Statistik der Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds veröffentlicht hat.

Die verdienten Bruttobeiträge, also der Betrag liquider Mittel, die tatsächlich neu in den Durchführungsweg Pensionsfonds geflossen sind, lagen bei 2,6 Mrd. €. Das macht knapp 6 % des gesamten Pensionsfondsvermögens für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus, das Ende 2019 bei knapp 46 Mrd. € lag. Ein Fünftel der verdienten Bruttobeiträge, nämlich 527 Mio. €, entfiel dabei auf den Mercer-Pensionsfonds, der in diesem Punkt im Jahr 2019 an erster Stelle liegt ist.

Neben den neuen Beiträgen hat es auch Bestandsübertragungen gegeben. Der MAN-Pensionsfonds hat sich von seinem gesamten Bestand, der RWE-Pensionsfonds von einem Teilbestand getrennt. 

Der Daimler-Pensionsfonds ist gemessen an den Kapitalanlagen weiterhin unangefochten der größte Pensionsfonds. Die Plätze zwei und drei wurden allerdings neu vergeben. Während 2018 die drei größten Pensionsfonds die der DAX-Unternehmen Daimler, RWE und Siemens waren, liegen 2019 an Position zwei und drei die Pensionsfonds von IBM und Bosch.

Die meisten versorgungsberechtigten Personen finden wir im Bosch-Pensionsfonds, nämlich rd. 200.000, wovon ein Fünftel bereits eine Rente bezieht. Insgesamt finden wir in den 33 Pensionsfonds rd. 1,1 Mio. versorgungsberechtigte Personen, davon ein Drittel Rentenempfänger. Bemerkenswert: Bei den Anwärtern und Empfängern von Invaliden- und Altersrenten gibt es nicht einmal halb so viele Frauen wie Männer.

Soweit die Statistik für 2019. Und wie entwickelt sich der Durchführungsweg weiter?

Wir sehen weiterhin großes Interesse am Wechsel des Durchführungsweges von der Direktzusage oder Unterstützungskasse hin zum Pensionsfonds. In der Vergangenheit waren diese Übertragungen insbesondere bilanziell getrieben. Im Moment steht bei vielen Unternehmen im Vordergrund, dass die Beitragsbemessungsgrundlage für die gesetzliche Insolvenzsicherung deutlich geringer ist als bei der Direktzusage.  

Durch die Entwicklung des Beitrags an den Pensionssicherungsverein (PSV) haben solche Übertragungen neue Impulse bekommen. Der PSV-Beitrag für das Jahr 2020 liegt mit 4,2 Promille deutlich höher als der langjährige Durchschnitt (2,8 Promille). Bedingt durch die Corona-Krise ist mit weiteren Insolvenzen zu rechnen, was den Beitrag für das Jahr 2021 noch weiter in die Höhe treiben kann.

Werden Direktzusagen oder Unterstützungskassenzusagen noch in diesem Jahr auf den Pensionsfonds übertragen, so profitiert der Arbeitgeber bereits 2021 von der reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage. Vereinfacht gesagt liegt die Beitragsbemessungsgrundlage nur bei 20 % derjenigen, die bei der Direktzusage oder Unterstützungskasse anzusetzen ist. Durch eine Änderung der Berechnungssystematik und ein Wahlrecht, für einen Übergangszeitraum entweder 20 % des Wertes der Direktzusage oder 20 % des Wertes analog einer Unterstützungskassenzusage anzusetzen, kann die Ersparnis sogar noch größer als 80 % werden.

Aus IFRS-Sicht sehen wir im Moment insbesondere Interesse am sogenannten Ein-Plan-Modell, bei dem Pensionsfonds und CTA in der Form miteinander verbunden werden, dass sie nach IAS 19 als ein Plan angesehen werden. Dadurch erreicht man, dass Überdeckungen des einen und Unterdeckungen des anderen Trägers nicht getrennt betrachtet werden müssen, sondern die Frage der Über- oder Unterdeckung stattdessen insgesamt zu würdigen ist, wodurch Bilanzverlängerungen vermieden werden.

Zur Abbildung einer Pensionsfondsübertragung im handelsrechtlichen Jahresabschluss hat sich kürzlich auch das IDW geäußert. Im Wesentlichen hat das IDW die bisherigen Sichtweisen bestätigt. Im Hinblick auf das Auflösungsverbot hat das IDW allerdings die Auffassung vertreten, dass es bei der Höhe der verbleibenden Rückstellung – Differenz aus dem bisher notwendigen Erfüllungsbetrag und dem Einmalbeitrag an den Pensionsfonds – auf einen neu berechneten Erfüllungsbetrag zum Übertragungsstichtag und nicht auf die zu Beginn des Jahres gebildete Rückstellung ankommt. Diese Sichtweise könnte dazu führen, dass in manchen Fällen zur vollständigen Rückstellungsauflösung ein höherer Einmalbeitrag notwendig wird. Um das abzumildern, sollten Pensionsfondsübertragungen möglichst früh im Geschäftsjahr umgesetzt werden.

Auch steuerlich spielt die Frage der bisherigen Rückstellung eine Rolle, weil der darüber hinausgehende Teil des Einmalbeitrags nur auf zehn Jahre verteilt als Betriebsausgaben abgezogen werden darf. Da bei Anwärtern nur der Past Service, also nur ein Teil der Verpflichtung, auf den Pensionsfonds übertragen werden kann, vertritt die Finanzverwaltung die Auffassung, dass als aufzulösende Rückstellung auch nur ein Teil der früheren Rückstellung maßgeblich ist. Diese Auffassung ist leider Ende letzten Jahres durch den Bundesfinanzhof bestätigt worden (siehe ausführlicher Beitrag vom 04.05.2020).

Insgesamt sind bei Pensionsfondsübertragungen viele Details zu berücksichtigen. Die Vorteile dieses Durchführungsweges machen Übertragungen aber weiterhin sehr attraktiv.

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