Mercer | Alternative Investments weiter ganz vorne

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Alternative Investments weiter ganz vorne
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Calendar21 August 2017

Interview mit Herwig Kinzler, Chief Investment Officer bei Mercer in Deutschland

 

Im Juli 2017 erschien zum 15. Mal der Mercer European Asset Allocation Survey, in dessen Rahmen die Portfolios von 1.200 institutionellen Anlegern in ganz Europa analysiert wurden. Können Sie kurz die wichtigsten Ergebnisse schildern?

Der über allem stehende Trend ist der anhaltende Rückzug der institutionellen Investoren aus den klassischen Staatsanleihen mit gutem Rating. Diese Papiere erwirtschaften einfach nicht genug Rendite.

Je nach Anlagestrategie und regulatorischen Möglichkeiten weichen die Investoren auf Anlagen aus, die mehr Rendite erwirtschaften – das sind vor allem Aktien, Immobilien, Private Equity und Private Debt. Aber auch höher verzinsliche Rentenpapiere. Derzeit werden auch Hedgefonds-Investments wieder interessant.

Wie sieht so ein auf höhere Rendite zielendes Portfolio aus?

Man muss natürlich zunächst einmal die Ziele sehen. Sie bestimmen die grundsätzliche Anlagestrategie. Für Deutschland lässt sich beobachten, dass die Portfolio-Komposition der nach Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) regulierten Anleger und der unregulierten Contractual Trust Agreements (CTAs) sehr ähnlich ist.

Fangen wir bei Zinspapieren an. Sie sind bei beiden Gruppen weiterhin sehr wichtig. Das Portfolio der regulierten Investoren bestand noch vor fünf Jahren aus über 70 Prozent Anleihen. Heute sind es nur noch 41 Prozent, wobei davon der Anteil an europäischen Staatsanleihen auf zwei Drittel gefallen ist.

Dieselbe Entwicklung findet sich bei den unregulierten CTAs: Sie hatten vor fünf Jahren eine Anleihen-Quote von über 50 Prozent, die nun auf 38 Prozent gefallen ist. Im Unterschied zu den regulierten Anlegern sind die CTAs auch bei den Anleihen etwas innovativer. Zwei Drittel ihrer Rentenpapiere sind internationale Anleihen – das können Staatsanleihen von Schwellenländern oder Unternehmensanleihen sein.

Bleiben wir zunächst einmal bei den Zinspapieren. Welche Strategien führen hier zu mehr Rendite?

Bei Zinspapieren kommt es auf die Auswahl der Papiere an. Europäische Staatsanleihen bringen weniger als solche aus Schwellenländern, internationale Staatsanleihen weniger als Asset Backed Securities (ABS).

Dabei müssen natürlich die höheren Risiken gemanagt werden. Inzwischen gibt es ausgefeilte Absolute Return-Strategien, mit denen das Portfolio weitgehend von den Märkten entkoppelt werden kann. Das bedeutet in der Regel, kleinteiliger zu investieren und komplexe Anlageklassen zu wählen. Damit steigen die Renditechancen. Absolute Return ist allerdings immer stark von den Managern abhängig. Daher empfiehlt sich hier eine Streuung auf verschiedene Manager.

Sind regulierte Investoren nicht sehr stark begrenzt in der Wahl ihrer Strategien?

Regulierte Investoren müssen – bei Ausnutzung der Öffnungsklausel – 27,5 Prozent in risikoarme Papiere anlegen. Den Rest können sie in ertragsbringende Anlagen investieren.

Kommen wir zu den Anlagen, die laut Studie im Trend liegen...

Das sind einerseits Aktien und andererseits alternative Investments wie etwa Private Equity. Gerade die unregulierten CTAs setzen in der aktuellen Niedrigzinsphase sehr stark auf Aktien. Ihr Aktienanteil liegt inzwischen bei 40 Prozent. Weitere 19 Prozent ihrer Anlagen sind alternative Investments. Immobilien haben die CTAs nur wenige – insgesamt sind es 3 Prozent.

Im Gegensatz dazu haben regulierte Anleger ihre alternativen Investments aufgestockt. Sie machen nun 31 Prozent ihres Portfolios aus. Dazu kommen ein kräftiges Immobilien-Engagement mit 17 Prozent Volumen-Anteil und 11 Prozent Aktien.

Welche alternativen Investments kommen denn für Investoren in Frage, und wo liegen die Herausforderungen?

Infrage kommen einerseits die klassischen alternativen Investments wie Immobilien, Timber und Infrastruktur-Investments. Andererseits die gesamte Palette von Private Equity, Private Debt und Hedgefonds.

Private Equity Investments haben ein interessantes Risiko-Rendite-Profil, wenn sie gut gestreut werden. Bei Private Equity zum Beispiel weiß man erst im Nachhinein, ob man „billig“ oder „teuer“ eingestiegen ist. Daher empfehlen wir einen konsequenten und strukturierten Portfolioaufbau – verteilt auf Segmente wie etwa Venture Capital, Mittelstandsbeteiligungen, Technologie oder Buy-Out.

Zudem werden Hedgefonds-Engagements wieder interessanter. Grund hierfür sind die steigenden US-Zinsen und gesunkenen Gebühren. Viele Investoren entscheiden sich auch für Hedgefonds-Portfolios bestehend aus Single-Hedgefonds.

Ist nicht allen diesen alternativen Anlageformen gemein, dass das Geld langfristig gebunden wird und dadurch die Liquidität sinkt?

Nicht nur das! Wer alternativ investiert – und auch wer aktiv Chancen in den Rentenmärkten erschließt – der muss externes Know-how einkaufen und die Komplexität seines Berichtswesens teilweise erheblich steigern. Das heißt, eine höhere Rendite geht einher mit höheren Kosten.

Aber zurück zur Frage: Ja, Investoren brauchen heute auch ein besseres Liquiditätsmanagement als früher. Hier haben aber die meisten noch viel Luft nach oben.

Sie erwähnten eben einen Aktienanteil von 40 Prozent bei den unregulierten CTAs. Ist das nicht eine risikoreiche Strategie?

Nicht automatisch. Es kommt darauf an, wie gut gestreut und gehedged wird. Und: Das größte Bilanzrisiko ist in der Regel das Zinsrisiko. Daher sehen wir auch ein signifikantes Wachstum der Strategie zur Steuerung des Zinsrisikos, so genanntes De-Risking.

Ist De-Risiking ein Trend, der auch auf deutsche Investoren übergreifen wird?

De-Risking-Überlegungen kommen aus dem angelsächsischen Bereich – zumindest noch. Die Regulierung und Implementierung führt dazu, dass diese Konzepte auf deutsche Gegebenheiten angepasst werden müssen. Vor allem DAX-Unternehmen setzen sich derzeit mit diesen Fragestellungen auseinander. Regulierte Anleger verfolgen eher Verfahren wie Stresstests oder Szenario-Analysen.

Welche weiteren Trends konnte die Studie identifizieren?

Das Thema Nachhaltigkeit ist weiterhin stark im Kommen. Europaweit setzen inzwischen 28 Prozent der untersuchten Anleger auf nachhaltige Investitionen – letztes Jahr waren es noch 20 Prozent. Die meisten deutschen Anleger investieren nachhaltig, um ethische Grundsätze zu beachten und ihr finanzielles Risiko zu verringern.

Wir sehen hier einen Wachstumstrend und gehen davon aus, dass die Akzeptanz des Themas perspektivisch in Deutschland ähnlich hoch wie in Großbritannien oder den Niederlanden wird.

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