Mercer | 4 Trends für institutionelle Investoren

Themes and Opportunities 2017

4 Trends für institutionelle Investoren

Datum: 10.05.2017
Autoren: Dr. Carl-Heinrich Kehr und Steffen Zwink

Die Weltwirtschaft erholt sich: Für 2017 werden sowohl ein stärkeres Wachstum als auch eine höhere Inflation erwartet. Da die Geldpolitik voraussichtlich weniger unterstützend eingreifen wird, ist mit erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten zu rechnen, wenn dort Ausmaß und Dauer dieses Wachstums  getestet werden. Hinzu kommen wechselhafte und teils unvorhersehbare politische Verhältnisse, die zu weiterer Unsicherheit führen. Je nach Zielen, Ausrichtung und Governance werden Unternehmen und Investoren auf verschiedene Weise auf diese Entwicklungen reagieren. Es zeigen sich allerdings vier übergeordnete Trends, von denen institutionelle Investoren betroffen sein werden: Fragmentierung, ein Wandel von geldpolitischen zu steuerlichen Stimuli, Kapitalüberfluss sowie ein grundlegender Wandel von Wirtschaftsstrukturen.

Fragmentierung

Mit Blick auf eine mögliche weitere politische Fragmentierung und zunehmende Deglobalisierung sollten Investoren ihre Portfolios einem Stresstest unterziehen. Dabei sollten besonders Veränderungen bei Aktien, Anleihen und Währungen berücksichtigt werden. Die verringerte Liquidität in einigen Märkten könnte zu verstärkten Abverkäufen führen, was wiederum Chancen für antizyklische Investoren bietet und flexible sowie dynamische Strategien begünstigt. Aktive Manager könnten von einer erhöhten Volatilität im Zusammenhang mit zunehmendem Protektionismus profitieren. Politische Überraschungen und angespannte Handelsbeziehungen sorgen darüber hinaus für Währungsvolatilität. Deshalb sollten Investoren beim Currency Hedging eine klare Linie beherzigen.


Wandel von geldpolitischen zu steuerlichen Stimuli

Weltweit haben Politiker die Einschränkungen und ungewollten Konsequenzen geldpolitischer Stimuli erkannt und wenden sich daher eher steuerlichen Anreizen zu. Bis zu einem gewissen Grad wird von Ausmaß und Richtung dieser Maßnahmen auch die Inflation über die nächsten Jahre beeinflußt werden, wobei sie auch davon abhängen wird, was die Zentralbanken unternehmen. Investoren mit inflationsgebundenen Verpflichtungen sollten deshalb über eine direkte Inflationsabsicherung oder über Investments in Real Assets wie bspw. Immobilien und Infrastruktur nachdenken.

Unsicherheiten in der Geldpolitik, gepaart mit steigender Inflation, führen an den Anleihemärkten zu mehr Volatilität. Für Global Macro-, Absolute-Return- sowie unrestringierte Fixed-Income-Strategien bieten sich in diesem Umfeld einige Möglichkeiten. Wenn die Geldpolitik ihre Schrauben fester anziehen sollte als dies momentan eingepreist ist, könnten einige Unternehmen bei der Refinanzierung ihrer Schulden in Schwierigkeiten geraten. Davon könnten Strategien profitieren, die darauf abzielen, problembehaftete Vermögenswerte mit Kapital zu unterlegen.
 

Kapitalüberfluss

Nach acht Jahren der geldpolitischen Stimulation durch die Zentralbanken sind die Realrenditen in vielen Industrienationen mittlerweile bei unter Null angekommen. Vor diesem Hintergrund sind die Renditen von Finanzanlagen als außergewöhnlich zu bezeichnen. In den kommenden drei bis fünf Jahren wird es allerdings eine große Herausforderung werden, jährliche Renditen von 3 bis 4 Prozent zu erzielen. Portfolios, die von traditionellem „Beta“ dominiert sind (Aktien, Kredite und Staatsanleihen), bieten nunmehr ein recht unattraktives Risiko-Rendite-Verhältnis. Deshalb müssen Investoren weniger gängige Assetklassen und flexiblere Strategien erschließen, um ihre Ziele zu erreichen. Eine Mischung aus „Alpha“-Quellen kann hierbei ebenso helfen wie der Zugang zu den Opportunitäten sehr guter Manager, die auf Private Markets spezialisiert sind. Chancen bieten darüber hinaus auch weniger bekannte Segmente innerhalb der Kreditmärkte (Asset-backed Securities, Private Lending, Handelsfinanzierung und Forderungen). In einem volatileren Umfeld sind Strategien hilfreich, die es erlauben, sich schnell in verschiedenen Märkten zu bewegen. Dazu zählen z. B. Multi-Strategy Hedgefonds oder dynamische Multi-Asset-Lösungen.
 

Strukturelle Veränderungen

Investoren sind auch von langfristigen Strukturveränderungen (demografische Trends, Klimawandel und disruptive Technologien) betroffen. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel können das physische Risiken für Immobilien oder auch politische Risiken für Assets, die im Zusammenhang mit Kohlendioxid bzw. Emissionen stehen, sein. Der Umgang mit dem Klimawandel bleibt eine globale Aufgabe, auch wenn z. B. die Ansichten von US-Präsident Trump zum Thema noch unklar sind. Investoren sollten deshalb prüfen, inwiefern ihre Portfolios CO2-intensive Assets beinhalten (bspw. Öl, Gas, Kohle).

Der größte demografische Trend ist die globale Überalterung der Gesellschaft. Das Verhältnis der wirtschaftlich unselbständigen (Kinder und Rentner) zur arbeitenden Bevölkerung steigt weltweit. Manche Länder werden davon stärker betroffen sein als andere, was zu regionalen wirtschaftlichen Ungleichgewichten führen kann. Langfristig werden die Rücklagen in Industrieländern durch in Rente gehende Baby-Boomer stark beansprucht, was mit der Zeit Aufwärtsdruck auf die Kapitalmarktzinsen ausüben wird.

Der technologische Wandel wird für kurz- und langfristige Investoren, die die Gewinner und Verlierer dieser Veränderungen identifizieren können, Chancen eröffnen. Marktindizes könnten von disruptiven Technologien besonders betroffen sein, da sie starkes Gewicht auf die aktuellen Branchenvertreter legen. Viele Unternehmensgründungen bleiben heute vor einem Börsengang länger in privater Hand, weshalb Investoren bereits früh in Private Equity investieren müssen, wenn sie an diesen zukünftigen Wachstumsquellen teilhaben wollen.

  Kontaktieren Sie uns
Sie haben Fragen zum Thema? Bitte füllen Sie unser Kontaktformular aus. Wir setzen uns zeitnah mit Ihnen in Verbindung!
*Erforderliche Angaben