Pensionsverpflichtungen DAX

Presseinformation

DAX-Unternehmen erwirtschaften 2012 zweistellige Pensionserträge

  • 20. März 2013
  • Germany, Frankfurt
  • Das Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen hat sich positiv entwickelt und ist im Jahr 2012 um etwa 12 Prozent angestiegen.
  • Durch das niedrige Zinsniveau sind die Pensionsverpflichtungen im gleichen Zeitraum auf ein Rekordhoch von ca. 311 Mrd. Euro gestiegen.
  • Der Dotierungsgrad ist um etwa 4 Prozentpunkte auf rund 62 Prozent gesunken.
  • Der Übergang auf den neuen IAS 19 im Jahr 2013 wird das Jahresergebnis mit etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr belasten.

 

Die DAX-Unternehmen haben im Jahr 2012 zweistellige Pensionserträge erzielt. Das Pensionsvermögen ist im Vergleich zu 2011 von 171 Mrd. Euro um etwa 12 Prozent auf rund 193 Mrd. Euro angestiegen. Hiervon entfallen über 10 Prozent auf Erträge aus dem angelegten Kapital. Dabei haben die am stärksten vertretenen Anlageklassen, nämlich festverzinsliche Wertpapiere mit einem Anteil von 65 Prozent und Aktien mit einem Anteil von 21 Prozent, um etwa 13 Prozent bzw. 20 Prozent an Wert gewonnen.

Dies sind die Ergebnisse einer Analyse des internationalen Beratungsunternehmens Mercer, für die die bereits erschienenen Geschäftsberichte von 23 DAX-Unternehmen, die über 90 Prozent der Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen im DAX repräsentieren, herangezogen wurden.

„Offenbar haben die DAX-Unternehmen im Spannungsfeld zwischen einer Kopplung der Wertentwicklung des Vermögens an die Wertentwicklung der Verpflichtungen - also einem Liability Driven Investment, LDI - einerseits und einer Anlage in möglichst ertragbringende Anlageklassen andererseits die richtigen Entscheidungen getroffen“, so der Kommentar von Herwig Kinzler, Leiter des Bereichs Investment Consulting von Mercer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zu den Ergebnissen.

Im Hinblick auf die festverzinslichen Wertpapiere steigen die Herausforderungen für das Jahr 2013 allerdings an, da nicht mehr mit einer gleichermaßen positiven Entwicklung gerechnet werden kann. „Für 2013 werden die DAX-Unternehmen die ertragbringenden Anlageklassen weiter diversifizieren und illiquide Anlageklassen gezielt weiter ausbauen müssen“, so Herwig Kinzler weiter.

Verpflichtungsumfang der DAX-Unternehmen steigt auf Rekordhoch

Der Rechnungszins für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen ist im Jahr 2012 durch ein deutliches Absinken der Renditen von hochrangigen Unternehmensanleihen um mehr als 1 Prozentpunkt gesunken. Die hierdurch entstandenen versicherungsmathematischen Verluste in Höhe von 49 Mrd. Euro belasten allerdings nicht das Jahresergebnis 2012, sondern werden im Eigenkapital ausgewiesen oder außerhalb der Bilanz vorgetragen. Insgesamt ist der Verpflichtungswert auf die Rekordhöhe von 311 Mrd. Euro (Vorjahr: 256 Mrd. Euro) gestiegen.

Der Anstieg der DBO (Defined Benefit Obligation) konnte durch den ebenfalls überdurchschnittlichen Anstieg des Planvermögens allerdings nur teilweise kompensiert werden. Der Dotierungsgrad sank um etwa 4 Prozentpunkte auf rund 62 Prozent ab. „Dies ist für die DAX-Unternehmen allerdings nicht mit unmittelbaren Konsequenzen verbunden, weil die Festlegung eines Dotierungsgrades eine unternehmerische Entscheidung ist. Anders ausgedrückt: Kein DAX-Unternehmen muss Nachdotierungen vornehmen; vielmehr kann eine Entspannung des Zinsniveaus abgewartet werden“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer in Deutschland.

Auch im Ausland zehren gesunkene Zinsen das Wachstum des Pensionsvermögens auf

Auch in den USA und in UK führten deutlich gesunkene Zinsen zu Rekordwerten bei den Pensionsverpflichtungen, wie Mercer-Analysen zeigen. In den USA stieg die Deckungslücke der S&P 1500-Firmen in 2012 um 73 Mrd. US-Dollar auf ein Rekordhoch von 557 Mrd. US-Dollar. Durch ein überdurchschnittliches Wachstum der Pensionsvermögen und zusätzliche Einzahlungen konnte der Deckungsgrad mit 74 Prozent (2011: 75 Prozent) jedoch nahezu konstant gehalten werden. Ein ähnliches Bild ergibt sich in UK: Hier konnten die FTSE 350-Firmen trotz kräftig gesunkener Rechnungszinsen durch ein außerordentliches Wachstum bei den Pensionsvermögen und zusätzliche Einzahlungen den Deckungsgrad bei den Pensionsplänen mit 89 Prozent ebenfalls fast konstant halten.

Neuer IAS 19 belastet das Unternehmensergebnis der DAX-Unternehmen um etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr

Ab dem 01.01.2013 ist der im Jahr 2011 neu erschienene Standard für Pensionsverpflichtungen zwingend umzusetzen. Unternehmen dürfen dann nicht mehr den erwarteten Ertrag aus dem Planvermögen in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung ausweisen, sondern nur noch einen Zinsertrag auf Basis desjenigen Zinssatzes, der auch für die Abzinsung der Pensionsverpflichtungen verwendet wird. Ab 2013 muss daher mit einem geminderten Ertrag von insgesamt etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr gerechnet werden.

Mit dem Übergang auf den neuen Standard müssen gleichzeitig alle bisher noch nicht in der Bilanz erfassten Verpflichtungen ausgewiesen werden. Hiervon betroffen ist allerdings im Wesentlichen nur ein kleinerer Teil der DAX-Unternehmen, der noch die sog. Korridormethode anwendet. Nach diesem Verfahren dürfen versicherungsmathematische Verluste vorgetragen werden. Für diese DAX-Unternehmen ist mit einer erstmaligen Erfassung von etwa 22 Mrd. Euro zu rechnen. Auch diese Beträge werden erfolgsneutral gegen das Eigenkapital gebucht und belasten somit nicht den Unternehmenserfolg des Jahres 2013.

„Für Unternehmen, die bisher bereits versicherungsmathematische Verluste erfolgsneutral erfassen, sind die Auswirkungen weniger bedeutsam. Einzelne Unternehmen haben auch schon von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den neuen Standard freiwillig vorgezogen anzuwenden, bei den DAX-Unternehmen beispielsweise Merck“, erklärt Thomas Hagemann.

Neben den materiellen Auswirkungen in Bilanz und Erfolgsrechnung fordert der neue Standard die Unternehmen vor allem mit zusätzlichen Berichtspflichten. So müssen beispielsweise die Auswirkungen von Änderungen des Rechnungszinssatzes und anderer Bewertungsannahmen angegeben werden. Außerdem müssen die Unternehmen über die Risiken in den Versorgungswerken berichten, so dass die Anleger über die reinen Bilanzzahlen weitere Informationen zur Einschätzung der Unternehmen erhalten.

Unabhängig von dem Übergang auf den neuen Standard wird seit dem letzten Jahr eine Diskussion um die Festsetzung des Rechnungszinssatzes geführt. Nach der bisherigen Vorgehensweise wird der Rechnungszins auf der Basis von Anleihen festgesetzt, die ein Rating von AA haben. Kritiker dieser Vorgehensweise bemängeln, dass die Rating-Agenturen bei der Einstufung kritischer geworden sind und dies bei der Zinsfestsetzung zu berücksichtigen ist. „Das Thema beschäftigt derzeit sowohl das IFRS Interpretations Committee als auch das IAS-Board und damit die Organisationen, die die Vorgaben für die internationalen Rechnungslegungsvorschriften machen. Bisherige Verlautbarungen lassen keine gravierenden Lockerungen erwarten, aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen weiterentwickeln werden“, so Hagemann weiter.

Anmerkung für Redakteure:

Die vorliegende Analyse der Entwicklung von Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen der DAX30-Konzerne im Jahr 2012 wurde auf Basis der bis 18.03.2013 veröffentlichten Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen erstellt. Insgesamt wurden die 23 folgenden Unternehmen einbezogen, die über 90 Prozent der Pensionsverpflichtungen der DAX30-Unternehmen repräsentieren: Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Beiersdorf, BMW, Commerzbank, Daimler, Deutsche Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.on, HeidelbergCement, Henkel, Infineon Technologies, K+S, Linde, Merck, Münchner Rück, RWE, Siemens, ThyssenKrupp, Volkswagen.

 

Über Mercer (www.mercer.com)
 
Mercer zählt mit über 20.000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern zu den führenden globalen Anbietern von Dienstleistungen in den Bereichen Talent, Health, Retirement und Investments. Die Berater von Mercer unterstützen Unternehmen bei der Gestaltung und dem Management von betrieblichen Nebenleistungen, insbesondere im Bereich betriebliche Altersversorgung und Gesundheitsleistungen sowie bei der Optimierung des Human Capital Managements. Das Unternehmen ist überdies einer der führenden Anbieter von Verwaltungs- und Outsourcing-Lösungen für betriebliche Nebenleistungen. Die Mercer-Dienstleistungen im Bereich Investments beinhalten das Investment Consulting sowie Multi-Manager Investment-Produkte. Das Unternehmen ist Teil der Marsh & McLennan Companies, Inc. (www.mmc.com). Die Aktie der Muttergesellschaft ist mit dem Ticker-Symbol MMC an den Börsen New York, Chicago, Pacific und London notiert.

Mercer Deutschland GmbH, www.mercer.de

In Deutschland ist Mercer mit über 600 Mitarbeitern unter anderem an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart vertreten. Die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um betriebliche Altersversorgung, Vergütung, Human Capital Strategie, M&A und Investments sowie Pensions Administration.

 

Pressekontakt

Zur Unterstützung Ihrer journalistischen Arbeit können Sie hier unsere Pressemeldungen abrufen und wir nehmen Sie gerne auch in unseren Presseverteiler auf.

 

KONTAKTINFORMATIONEN