Rechnungszins sorgt für Entlastung bei den Pensionsverpflichtungen

Rechnungszins sorgt für Entlastung bei den Pensionsverpflichtungen

DAX 30-Unternehmen: Rechnungszins sorgt für Entlastung bei den Pensionsverpflichtungen

  • 25. Januar 2019
  • Deutschland, Frankfurt
  • Verpflichtungswerte sinken auf 368 Mrd. Euro
  • Pensionsvermögen reduziert sich leicht auf etwa 250 Mrd. Euro
  • Unternehmen schließen das Jahr mit negativer Rendite ab

Der Wert der Pensionsverpflichtungen der DAX 30-Unternehmen ist im Jahr 2018 von 380,8 Mrd. Euro auf etwa 368 Mrd. Euro gesunken. Im gleichen Zeitraum sank das Pensionsvermögen im IFRS-Abschluss von 258,0 Mrd. Euro auf etwa 250 Mrd. Euro. Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen ist mit etwa 68 Prozent zwar gegenüber dem Vorjahr (69 Prozent) leicht gesunken, liegt aber im Vergleich zu den vorherigen Jahren immer noch auf überdurchschnittlichem Niveau. Dies sind die Ergebnisse einer Schätzung des Beratungsunternehmens Mercer auf Basis der Geschäftsberichte der DAX 30-Unternehmen sowie aktueller Kapitalmarktinformationen.

Erhöhter Rechnungszins lässt Pensionsverpflichtungen sinken

Im Jahr 2018 haben die Commerzbank und ProSiebenSat.1 Media den DAX 30 verlassen, Covestro und Wirecard wurden neu aufgenommen. Dadurch sank der Verpflichtungswert um 5,4 Mrd. Euro auf 375,4 Mrd. Euro.

Zum Jahresende lag der Wert mit etwa 368 Mrd. Euro um gut 7 Mrd. Euro oder etwa 2 Prozent niedriger als der so angepasste Vorjahreswert. Diese Reduzierung erklärt sich in erster Linie durch den leicht gestiegenen Rechnungszins. Auch im Vorjahr war der Rechnungszins schon leicht angestiegen, die daraus resultierende Verringerung der Pensionsverpflichtungen fiel mit etwa 4 Mrd. Euro aber noch geringer aus. „Von einer deutlichen Trendwende kann noch nicht gesprochen werden“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland.

Der Rechnungszins nach der Mercer Yield Curve, einem Verfahren zur Herleitung des Rechnungszinssatzes nach IAS 19, ist im Jahr 2018 für eine Duration von 15 Jahren von etwa 1,9 auf etwa 2,0 Prozent und für eine Duration von 20 Jahren von etwa 2,1 auf etwa 2,2 Prozent gestiegen. „Die tatsächliche Zinsveränderung in den einzelnen Unternehmen hängt von der Bestandszusammensetzung und dem gewählten Zinsermittlungsverfahren ab. Wir gehen davon aus, dass die DAX 30-Unternehmen den Rechnungszins im Durchschnitt ebenfalls um etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte erhöht haben“, so Hagemann weiter.

Ohne eine Änderung beim Rechnungszins und ohne die Veränderung bei der Zusammensetzung des DAX wären die Verpflichtungswerte nahezu unverändert geblieben, weil Dienstzeit- und Zinsaufwand 2018 in etwa genauso groß waren wie die getätigten Zahlungen.

Zu beachten ist, dass es sich bei dem Rückgang der Pensionsverpflichtungen zunächst nur um eine rein bilanzielle Bewertung handelt. Die Verpflichtungen selbst sind i. d. R. nicht zinsabhängig, d. h. die späteren Versorgungszahlungen werden durch die Niedrigzinsphase im Allgemeinen und die aktuelle kurzfristige Entlastung im Besonderen grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Die bilanziellen Effekte aus der Zinsänderung werden zudem erfolgsneutral erfasst, belasten also nicht das Unternehmensergebnis.

 

Schwieriges Aktienjahr führt zu leichter Reduktion des Pensionsvermögens

Durch die geänderte Zusammensetzung des DAX 30 sank das Pensionsvermögen um gut 6 Mrd. Euro auf 251,9 Mrd. Euro.

Das so angepasste Vermögen ist im Jahr 2018 weiter gesunken, was vor allem auf das vergangene Aktienjahr zurückzuführen ist. Der europäische Aktienmarkt startete 2018 mit Verlusten, hauptsächlich getrieben durch die sich eintrübenden Wirtschaftsindikatoren. Danach sah es im Jahresverlauf positiver aus. Insbesondere der nordamerikanische Aktienmarkt überraschte mit hohen Renditen im dritten Quartal. Die internationalen Handelsspannungen führten jedoch dazu, dass das Aktienjahr 2018 insgesamt negativ geschlossen hat. Bei Renditen von -10 Prozent für europäische Aktien und -5 Prozent bei nordamerikanischen Aktien konnten auch die festverzinslichen Wertpapiere, die teilweise positiv rentierten, die Verluste nicht ausgleichen. Auch von den sogenannten Schwellenländern gab es in 2018 keinen positiven Renditebeitrag. Die geschätzte Gesamtrendite der DAX 30-Unternehmen liegt bei ca. -3 Prozent.

Die Reduktion des Pensionsvermögens wäre jedoch noch größer ausgefallen, hätten die Unternehmen nicht zusätzliche Zuführungen zu den Planvermögen geleistet. In 2018 lagen diese schätzungsweise bei etwa 3,5 Mrd. Euro über den Auszahlungen.

„Im Vergleich zur restlichen Wirtschaft in Deutschland sind die Verpflichtungen der DAX 30-Unternehmen sehr gut mit Pensionsvermögen bedeckt“, kommentiert Jeffrey Dissmann, Senior Investment Consultant bei Mercer. Zu beachten ist, dass es in Deutschland keine Pflicht gibt, Pensionsvermögen zu bilden. Aufgrund der gesetzlichen Insolvenzsicherung durch den Pensions-Sicherungs-Verein a. G. besteht auch keine Notwendigkeit, die Versorgungsberechtigten über Pensionsvermögen abzusichern. Die Bildung von Pensionsvermögen geschieht also auf rein freiwilliger Basis. Dennoch entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die Ausfinanzierung und damit für die Bildung von eigenem Pensionsvermögen.

Unternehmen müssen ihre Portfolien 2019 auf Kreditausfälle vorbereiten

Auch wenn es letztes Jahr Zeichen für einen Aufwärtstrend beim Rechnungszins gab, bleibt das Zinsniveau in der Eurozone weiterhin unter dem historischen Durchschnitt. Das Risiko, dass dieser Zins wieder sinken wird, besteht weiterhin. Somit sind auch zinsbedingte Erhöhungen des Verpflichtungsumfangs nicht ausgeschlossen. Dadurch werden die Unternehmen immer stärker dazu gezwungen, modernere Zusageformen ohne Garantien – insbesondere Zinsgarantien – zu wählen. „Reine Beitragszusagen werden in der Zukunft vermehrt im Fokus stehen, auch wenn die durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz geschaffenen neuen Möglichkeiten von den Tarifpartnern im Jahr 2018 noch nicht genutzt wurden“, erklärt Hagemann.

Die Weltwirtschaft bewegt sich momentan auf das Ende des aktuellen Kreditzyklus zu, der in der Regel klar definierte Phasen durchläuft. Mit dem steigenden Schuldenniveau der Unternehmen steigen auch die Risiken, wodurch sich das Kreditausfallrisiko erhöht. „Wir erwarten auch weiterhin politische Entscheidungen, die sich für die Unternehmen kurzfristig positiv auswirken werden, sowie unterstützende makroökonomische Bedingungen. Jedoch gilt es schon jetzt, Wertpapierportfolien so anzupassen, dass Ausfälle möglichst minimiert werden können“, so Dissmann. „Ähnlich wie 2018 werden auch in diesem Jahr politische Konflikte äußert relevant für den Kapitalmarkt sein. Die gegenläufige Entwicklung des Anleihen- und Aktienmarkts, die zunehmend restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken und die möglichen politischen Konflikte der großen Volkswirtschaften sind Themen, die von Kapitalanlegern Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft fordern.“

 

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