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Global Retirement Perspective

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Neuer Mercer-Ansatz zur schrittweisen Erhöhung des Deckungsgrades von Pensionsplänen am Beispiel UK

Zuletzt aktualisiert: 1 Juni 2010

 

Finanzierung von Pensionsplänen in UK

In UK werden Pensionsverpflichtungen gewöhnlich mit Hilfe einer externen Treuhand-Konstruktion durch Pensionsvermögen finanziert. Pensionsplan und Planvermögen werden von einem Treuhand-Gremium verantwortet, in dem in der Regel Vertreter des Trägerunternehmens und Vertreter aus der Belegschaft des Unternehmens paritätisch repräsentiert sind.


Der Unterschied zwischen der Verpflichtungshöhe und dem Vermögen im Pensionsplan wird als Deckungsgrad oder  auch als Deckungsniveau oder Finanzierungsgrad des Pensionsplans bezeichnet. Ist die Verpflichtungshöhe größer als das vorhandene Planvermögen, so spricht man von einer Unterdeckung. Diese muss durch weitere Beiträge in den Pensionsplan und/oder Erträge aus dem Pensionsvermögen innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausgeglichen werden.


Sowohl die Verpflichtungshöhe als auch die Vermögenswerte sind volatil, also Schwankungen ausgesetzt. Ein zeitgleicher Anstieg der Verpflichtungshöhe und Rückgang der Vermögenswerte kann dazu führen, dass der Pensionsplan plötzlich und unerwartet eine große Unterdeckung ausweisen muss. Eine solche Unterdeckung kann ein Trägerunternehmen zwingen, kurzfristig und unerwartet große Einzahlungen in den Pensionsplan zu leisten. Dies wiederum kann das Trägerunternehmen unter erheblichen finanziellen Druck setzen.

Liability Driven Investments und De-risking

Um solche Überraschungen zu vermeiden, haben sich viele Unternehmen und Treuhänder in UK für eine Liability Driven Investment (LDI)-Anlagestrategie entschieden. Dabei werden Vermögenswerte ausgesucht, die von exogenen Marktveränderungen (z. B. einer Änderung des Marktzins-Niveaus) ähnlich beeinflusst werden wie die Verpflichtungshöhe selbst. Wenn dann z. B. die Verpflichtungshöhe auf Grund von fallenden Marktzinsen steigt, kommt es als Ausgleich auch zu einem entsprechenden Anstieg der  Vermögenswerte und umgekehrt. Das Ziel einer solchen Strategie ist es, die Volatilität des Deckungsgrades zu reduzieren, um dadurch auch die  Volatilität der Pensionsrückstellungen zu reduzieren bzw. unerwartete Einzahlungen in den Pensionsplan möglichst zu verhindern.


Der Begriff „De-risking“ bezeichnet eine Anlagestrategie, mit der diverse Risiken reduziert werden sollen. Im Hinblick auf einen Pensionsplan könnte eine solche Anlagestrategie zum Beispiel vorsehen, Anleihen oder andere Finanzprodukte zu kaufen, die ein sehr ähnliches Auszahlungsprofil wie das erwartete Auszahlungsprofil des Pensionsplans haben. Damit lässt sich sicherstellen, dass die künftigen Auszahlungen des Pensionsplans mit dem Pensionsvermögen gedeckt werden können, ohne dass das Trägerunternehmen zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen muss. Durch diese Strategie wird der Deckungsgrad des Pensionsplans gegen Veränderungen auf dem Kapitalmarkt im Wesentlichen immun gehalten oder zumindest stark geschützt, daher spricht man dabei auch vom „Immunisieren“.


Eine weitere Möglichkeit, Pensionsrisiken sehr stark zu reduzieren oder gar zu eliminieren, besteht darin, die Risiken an einen externen Träger (z. B. ein Versicherungsunternehmen) zu übertragen.


Diese maximalen Lösungen, die darauf abzielen, möglichst alle Risiken zu eliminieren, sind jedoch relativ teuer und können normalerweise nicht ohne die zusätzliche Bereitstellung von Mitteln umgesetzt werden, wenn eine Unterdeckung im Pensionsplan vorhanden ist.

 

Entwicklung des durchschnittlichen Finanzierungsstandes in UK

Aktuell verfügen viele Trägerunternehmen in UK über nicht genügend Pensionsvermögen im Pensionsplan, um die Pensionsverpflichtungen zu immunisieren oder an einen externen Träger (z. B. Versicherungsunternehmen) zu übertragen. Das folgende Diagramm zeigt die historische Entwicklung der durchschnittlichen Deckungsgrade in UK im Zeitraum 2003 bis 2009 auf:

 

UK Funding-Level im Zeitablauf

 

Obwohl die Deckungsgrade von englischen Pensionsplänen seit Anfang 2009 im Durchschnitt wieder gestiegen sind, weisen viele Trägerunternehmen immer noch große Unterdeckungen in ihren Pensionsplänen aus. Für viele Trägerunternehmen würde es einfach zu hohe Einzahlungen erfordern, um zu diesem Zeitpunkt eine stark risikoreduzierte und damit maximale Strategie verfolgen zu können.


Im Nachhinein betrachtet wäre die Umsetzung einer De-risking Strategie für viele Trägerunternehmen und Treuhänder in Zeiten eines hohen Deckungsgrades (z.B. in 2006) vorteilhaft gewesen. Die Gründe für diese verpasst Chance sind aber auch in den strukturellen Problemen mit dem Treuhand-System zu sehen. So wurde beispielsweise bemängelt, dass Treuhänder oftmals nicht in der Lage gewesen seien, schnell genug zu handeln, um von den damaligen historisch hohen Vermögensniveaus profitieren zu können.


Mögliche Änderungen in der Anlagestrategie werden im Rahmen von Treuhand-Meetings diskutiert, die gewöhnlich nur alle drei bis sechs Monate stattfinden. Es kommt selten vor, dass Treuhänder sich zusammenfinden, um über spezifische Marktereignisse zu beraten. Viele Treuhänder fühlen sich auch einfach überfordert, komplizierte Anlage-Entscheidungen zu treffen, selbst mit der Unterstützung von Anlageexperten. Das führt zu Verzögerungen bei der Umsetzung von Anlagestrategien und auch zu verpassten Chancen.


Aufgrund der geschilderten Problematik hat das Interesse am Thema De-risking von Pensionsplänen in UK stark zugenommen. Gleichwohl sind aber viele Unternehmen und Treuhänder unsicher, wie der Schritt von einer vergleichsweise großen Unterdeckung zu einem hohen „De-risked“-Deckungsgrad im Pensionsplan gestaltet werden kann. Hilfestellung bietet ein neues Mercer-Produkt mit dem Namen „Mercer Dynamic De-risking Solutions“ (MDDS), das nun zunächst für den UK-Markt entwickelt wurde.

 

Mercer Dynamic De-risking Solutions (MDDS)

Mithilfe von MDDS lässt sich ein festes Konzept entwickeln, um innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens einen hundertprozentigen Deckungsgrad eines Pensionsplans (oder ggf. eine andere Zielgröße) zu erreichen. MDDS sorgt für Rahmenbedingungen, unter denen es dem Trägerunternehmen und den Treuhändern möglich ist, bei einer Outperformance des Planvermögens die Gewinne festzuschreiben und sich gleichzeitig gegen Kursverluste abzusichern.


Durch ein kontinuierliches Monitoring des Deckungsgrades können mit MDDS Anlagestrategie und Finanzierungsstrategie miteinander verbunden werden. Die Kernmerkmale von MDDS sind:

 

  • Tägliches Monitoring von Verpflichtungsumfang, Vermögenswerten und Deckungsgrad
  • Quantitatives Verfahren, um Outperformance festzuschreiben
  • Integrierte Kurssicherungsstrategie
  • Reduzierung der möglichen Verluste durch Aktienkursrisiken


Bei der Einführung von MDDS arbeitet Mercer mit den Treuhändern und dem Trägerunternehmen zusammen, um die Ziele im Hinblick auf den Deckungsgrad, den Zeithorizont und die Risikobereitschaft festzulegen. Basierend auf dieser Analyse schlägt Mercer ein „Growth“- sowie ein „Matching“-Portfolio und die so genannten „Finanzierungsstand-Bänder“ vor.


Ziel des „Growth“-Portfolios ist es, attraktive Renditen aus diversen Risikotreibern, z .B. Illiquidität, Wirtschaftswachstum und Risikoprämien, zu erwirtschaften. Das „Matching“-Portfolio setzt sich aus Liability Driven Investments zusammen, z. B. aus Anleihen und Swaps, die auf die Duration, die Laufzeit und das erwartete Auszahlungsprofil des Pensionsplans abgestimmt sind.


Die so genannten „Finanzierungsstand-Bänder“ sind ein weiteres wichtiges Merkmal von MDDS. In jedem Band wird eine strategische Allokation des Risikokapitals zwischen dem „Growth“- und dem „Matching“-Portfolio definiert (Beispiel: Finanzierungsstand-Band G = 65 – 70% Deckungsgrad, Band F = 70 bis 75% Deckungsgrad, usw.). Solange der Finanzierungsstand sich innerhalb dieser Bandbreite bewegt, bleibt die Asset Allokation im Wesentlichen unverändert. Bewegt sich der Deckungsgrad außerhalb des aktuellen Bandes, wird die Asset Allokation nach dem vordefinierten Ziele automatisch angepasst. Je höher der Finanzierungsstand, desto höher der Anteil des Gesamtvermögens, das im „Matching“- Portfolio investiert wird.


Bei Überschreitung des vordefinierten Deckungsniveaus wird gleichzeitig das Risikokapital im „Growth“-Portfolio in Abhängigkeit der bandspezifischen Allokation reduziert und das Absicherungsniveau auf die Basis des nächsthöheren Bandes erhöht. Diese Schritte sorgen dafür, dass die Gewinne festgeschrieben werden. Darüber hinaus erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Deckungsgrad künftig nicht wesentlich unter das neue, höhere Absicherungsniveau fallen wird.  Mercer übernimmt die tägliche Überwachung der Finanzierungsgrade sowie Umschichtungen im Rahmen der De-Risking Strategie. Darüber hinaus entscheidet Mercer über die Zusammensetzung von Dachfonds, überlässt Anlageentscheidungen auf Einzeltitelebene (z.B. Kauf einer speziellen Aktie) jedoch den für die Subfonds zuständigen Vermögensverwaltern. Die Auswahl dieser Manager erfolgt auf Basis der umfassenden weltweiten Mercer Research-Aktivitäten. Die Performance der selektierten Manager wird kontinuierlich beobachtet und überprüft.


Bei Unterschreitung des vordefinierten Deckungsniveaus wird zur Vermeidung weiterer Verluste sofort eine Absicherung nach unten implementiert, entweder durch die Umschichtung von Vermögen aus dem „Growth“- in das „Matching Portfolio“ oder durch Absicherung des „Growth“ Portfolios mittels synthetischer Investment-Produkte (z.B. Put-Optionen auf Aktienindizes). Diese Absicherung des Funding Levels wird beibehalten bis der Finanzierungstand des vorherigen Bandes wieder erreicht ist.


Um zu gewährleisten, dass die anfangs festgelegte De-risking-Strategie immer noch die richtige und das Verlustrisiko ausreichend abgesichert ist, ist eine regelmäßige Überprüfung der Finanzierungs- und Risikoziele durch die Treuhänder und das Unternehmen erforderlich.


Die folgende Grafik veranschaulicht das Konzept, das hinter MDDS steckt:

 

 

Die blaue gestrichelte Kurve zeigt den geplanten Zielverlauf des Deckungsgrades. Die blaue durchgezogene Kurve zeigt eine mögliche tatsächliche Entwicklung des Deckungsgrades. Die grünen waagerecht gestrichelten Linien kennzeichnen die Ränder der diversen Finanzierungsstand-Bänder. Reicht der Finanzierungsstand in das nächste Band hinein, wird die Asset Allokation automatisch durch ein Umschichten der Vermögenswerte vom „Growth“- in das „Matching“-Portfolio angepasst und das Absicherungsniveau (die roten Balken) angehoben.

Schlusswort

Dieser neue Ansatz zur Finanzierung von Pensionsplänen in UK wurde bisher sowohl von Trägerunternehmen als auch Treuhändern sehr positiv aufgenommen. Unternehmen bietet MDDS eine konkrete Handlungsanweisung, um den Deckungsgrad ihrer Pensionspläne über einen bestimmten Zeitraum auf ein gewünschtes Niveau zu bringen. Bei den Treuhändern, die sich mit der Aufgabe der Anlage von Pensionsplanvermögen oftmals überfordert fühlen, sorgt MDDS für die Gewissheit, dass auch in turbulenten Zeiten schnell und vernünftig im Sinne ihrer festgelegten Anlage- und De-risking-Strategie auf die aktuelle Marktsituation reagiert wird.


Der neue Ansatz dürfte auch für deutsche Unternehmen, die eine Tochtergesellschaft in UK haben, von besonderem Interesse sein. Die betriebliche Altersversorgung ist in UK grundlegend anders als in Deutschland organisiert. Das britische System ist daher auch für bAV-Spezialisten oftmals nur schwer zu durchschauen. MDDS bietet deutschen Unternehmen die Sicherheit, dass ein vernünftiger Plan genau nach ihren Vorgaben umgesetzt wird und dass auf Veränderungen im Markt schnell und zielsicher reagiert werden kann, ohne dass die Treuhänder oder das Unternehmen selbst tätig werden müssen. MDDS stellt auch sicher, dass die gesetzlichen Pflichten des Unternehmens und der Treuhänder gegenüber der britischen bAV-Behörde mit reduziertem Aufwand erfüllt werden können.


Ab dem dritten Quartal 2010 wird auch ein für den US-amerikanischen Markt entwickeltes MDDS-Produkt zur Verfügung stehen.


Ein Produkt wie MDDS, welches auf täglicher Basis Finanzierungsgrade überwacht und die Vermögensallokation aktiv steuert, wird derzeit für den deutschen Markt nicht angeboten. Viele für MDDS zentralen Ansatzpunkte können trotzdem auch für deutsche Unternehmen interessant sein. Hierzu zählt eine vorher definierte regelmäßige (z. B. quartalweise) Anpassung der Anlagestrategie an den Bedeckungsgrad eines Pensionsplans und der Einsatz synthetischer Finanzprodukte zur Installation von Absicherungsniveaus.

 

Ansprechpartner: Norman Dreger
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