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Zuletzt aktualisiert: 20 Mai 2010
Ist die gängige Praxis auch die beste Vorgehensweise?Eine kürzlich abgeschlossene Mercer-Umfrage unter mehr als 100 Teilnehmern,hat gezeigt, dass multinationale Unternehmen ernsthaft über die Governance-Strukturen ihrer globalen Versorgungssysteme nachdenken. Die Unternehmen gaben an, dass der Wunsch nach einer “Best Practice Governance” ein wichtiger Motivator bei der Strukturierung und Weiterentwicklung ihrer Governance-Strukturen sei. “Best Practice” ist der Goldstandard, aber die Lücke, die zwischen dem Wunsch nach einer “Best Practice Governance” und der tatsächlichen Umsetzung klafft, ist sehr groß. Sagen Unternehmen also nur das Richtige, oder wollen sie tatsächlich das Richtige tun?
Für multinationale Unternehmen sind Versorgungspläne (einschließlich Pensionspläne und Abfindungsvereinbarungen, Krankenversicherung und Unterstützungsleistungen sowie Vereinbarungen über „Insured Benefits“ von grundlegender Bedeutung – finanziell, strategisch und im Hinblick auf die Reputation.(1) Die Zeiten, in denen die Aufmerksamkeit ausschließlich den Finanzzahlen gegolten hat, sind vorbei. Dennoch bleibt ein effektives Finanzmanagement auch weiterhin ein wichtiger und schwieriger Faktor - insbesondere, da die Unternehmen noch immer mit den wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Finanzkrise und den Auswirkungen sinkender Vermögenswerte auf ihre Pensionspläne und im Endergebnis auf ihre Unternehmen insgesamt zu kämpfen haben. Um genau zu sein, hat sich die Art der Risiken verändert. Darüber hinaus hat die Diversifizierung der Anspruchsberechtigten zugenommen. Dies stellt unterschiedliche Anforderungen an die Governance-Strukturen, die für das Planmanagement eingerichtet wurden.
Die Erkenntnis, dass Versorgungspläne eine Quelle erheblicher Risiken sind, spiegelt sich in den Antworten wider, die wir den Teilnehmern der Umfrage zu ihren zukünftigen Aktivitäten gestellt haben. 77 Prozent der Befragten gaben an, dass die geplanten oder angedachten Änderungen an ihren Governance-Strukturen insbesondere deswegen vorgenommen werden sollen, um die Risiken auf globaler Ebene besser steuern zu können. Die zweitwichtigste Einflussgröße (66 Prozent der Befragten) ist der Wunsch, Best Practices entsprechend ihrer Entwicklung rechtzeitig zu erkennen und umzusetzen.
Man könnte ein gewisses Maß an Selbstselektion unterstellen, wonach nur Unternehmen mit Interesse an einer guten Governance-Praxis bereit sind, an einer Umfrage zu Governance-Themen teilzunehmen. Dennoch ist es bemerkenswert, dass die Übernahme einer Best Practice Governance als Grund für die Änderung bestehender Governance-Strukturen für Versorgungssysteme für wichtiger gehalten wird als alle anderen Motivationsfaktoren (z. B. Kostensenkungen, organisatorische Änderungen und gesetzliche Anforderungen). Es ist natürlich auch möglich, dass die meisten Unternehmen dem Wunsch, eine Best Practice Governance zu haben, nur deshalb zustimmen würden, weil die Alternative hieße, dass sie mangelhafte oder alles andere als akzeptable Vorgehensweisen verfolgen.
Effiziente Ausschüsse/EntscheidungsgremienNach der Umfrage besteht derzeit nur bei einem von vier Unternehmen ein globaler Ausschuss, der das oberste Entscheidungsgremium für Versorgungspläne darstellt; ein weiteres Drittel plant oder erwägt die Einrichtung eines solchen Ausschusses. Unternehmen, die in erster Linie Träger von leistungsorientierten (DB) Pensionsplänen sind (38 Prozent), verfügen ein wenig häufiger über globale Ausschüsse (38 Prozent). Aber auch unter den Unternehmen mit beitragsorientierten (DC-)Plänen (16 Prozent) gibt es einige, die einen globalen Ausschuss eingerichtet haben.
Schriftliche Richtlinien für PensionspläneFast die Hälfte der Befragten gab an, ihre globalen Richtlinien seien so strukturiert, dass klare Anweisungen für lokale Entscheidungen erteilt würden. Allerdings beschränkt sich die Anwendung schriftlicher Richtlinien auf einige wenige Bereiche des Planmanagements. Dazu gehören das Rechnungswesen (44 Prozent haben eine anweisende Richtlinie; 25 Prozent haben eine auf Prinzipien basierende Richtlinie), die Struktur der Leistungen (36 Prozent haben eine anweisende Richtlinie; 32 Prozent haben eine auf Prinzipien basierende Richtlinie) und die Finanzierung (32 Prozent haben eine anweisende Richtlinie; 31 Prozent haben eine auf Prinzipien basierende Richtlinie). Überraschenderweise haben nur 24 Prozent der Befragten eine anweisende Richtlinie für die Anlage ihres Planvermögens erlassen, während weitere 31 Prozent eine auf Prinzipien beruhende Anlagepolitik verfolgen. Zu den Bereichen, für die es im Allgemeinen keine globalen Richtlinien gibt, gehören die Kommunikation mit den Planmitgliedern, die Planverwaltung und die Anbieterauswahl. Alle diese Bereiche stellen jedoch für 92 Prozent der Befragten, die Träger von DC-Plänen in einigen oder allen Ländern sind, entscheidende Bereiche der Aufsichtsführung dar.
Klar zugeordnete Verantwortlichkeiten/Angemessene RechenschaftspflichtenDer Trend zu einer Zentralisierung der Kontrolle hält an. Die Unternehmenszentrale nimmt bei mehr als der Hälfte der Befragten erheblichen Einfluss auf Entscheidungen über Änderungen an Versorgungsplänen. Bei fast der Hälfte gibt es ein Genehmigungsverfahren, das die Planmanager vor Ort verpflichtet, bestimmte Entscheidungen der Konzernzentrale vorzulegen.
Strikte Überwachung und KontrolleDie Forderung nach einem Überwachungs- und Kontrollmechanismus gilt intern und extern. Bei drei Vierteln der Befragten ist ein Prozess (und in einigen Fällen mehr als nur ein Prozess) etabliert, der die lokale Einhaltung globaler Richtlinien überwacht. Dies erscheint etwas merkwürdig, denn die Daten zur Verbreitung globaler Richtlinien deuten darauf hin, dass weniger als 75 Prozent der Unternehmen Richtlinien erlassen haben.
Effizienter InformationsflussInformationen – oder fehlende Informationen – stellen ebenfalls weiterhin eine Herausforderung für die meisten multinationalen Konzerne dar. Knapp 50 Prozent der Befragten verlangen auf mindestens einem der abgefragten Gebiete bessere Informationen, ungeachtet dessen, ob es sich um Informationen über lokale Gesetzgebung und Trends, planspezifische Informationen zur Ausfinanzierung und zu Kapitalanlagen oder um allgemeinere Informationen über ihre Belastung durch die mit dem Versorgungsplan zusammenhängenden Risiken handelt. Dieser sehr eindeutigen Soll/Ist-Diskrepanz liegt ein Ressourcenproblem zugrunde. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass fehlende globale Ressourcen ihren Zugang zu Informationen behindern und 62 Prozent bestätigten, dass Probleme im Hinblick auf lokale Ressourcen hinderlich sind.
RisikomanagementDas Fundament des Mercer-Modells für eine effiziente Governance von Versorgungsleistungen ist das Risikomanagement. Aus der Best Practice-Perspektive wird ein risikobasierter Governance-Ansatz empfohlen. Damit ist sichergestellt, dass auf die spezifischen Probleme des Unternehmens eingegangen wird und dass Prioritäten gesetzt werden. So können die signifikantesten Risiken identifiziert und vorrangig behandelt werden. Daraus folgt, dass ein Governance-Ansatz, der mit einer Risikobewertung beginnt, ein Best Practice-Ansatz ist.
Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen, dass Risiko der mit Abstand wichtigste Treiber für Verbesserungen von Governance-Praktiken ist. 51 Prozent der Befragten gaben an, dass Risiken im Zusammenhang mit ihrem wichtigsten Pensionsplan bewertet und dokumentiert werden. Bei 32 Prozent der Befragten wurde die Risikobewertung und -dokumentation im Zusammenhang mit ihren anderen wichtigen Versorgungsplänen (Pensionspläne ausgenommen) durchgeführt. Dies ist zwar ein positives Indiz, aber es ist auch offensichtlich, dass mehr getan werden muss, denn 60 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen über potenzielle Risiken und 77 Prozent wollen sich mehr dafür tun, dass ihre Risiken global gesteuert werden.
Interessanterweise wird das Thema Risiken aus Versorgungsplänen nur in 33 Prozent der Unternehmen auf Vorstandsebene behandelt. Die Strukturen und die Finanzierung von Versorgungsplänen werden dagegen schon eher routinemäßig auf Vorstandsebene behandelt (43 bzw. 50 Prozent). Für das Thema Pensionspläne für Führungskräfte interessieren sich die Vorstände dabei am stärksten (65 Prozent). Besser wäre es wohl, wenn der Vorstand seine Zeit und Energie auf die Risikovorgaben verwenden würde und es dann den Führungskräften (über ihre globalen Ausschüsse) überlassen würde, Entscheidungen zu Fragen wie Planstruktur und Finanzierung im Rahmen dieser Gesamtrisikoparameter zu treffen. Wieder sieht es so aus, dass die aktuelle Praxis noch nicht die derzeitigen Prioritäten widerspiegelt.
Wie schneidet nun die „Gängige Praxis“ in diesem Bereich ab? Sie entwickelt sich in die Richtung der „Best Practice“. Tun Unternehmen das Richtige?Es steht außer Frage, dass die erfolgreiche Umsetzung einer globalen Governance-Struktur für Versorgungspläne eine Herausforderung darstellt. Nur 16 Prozent der Befragten sagten, dass ihre bestehenden Strukturen ihre derzeitigen Anforderungen erfüllen und dass dies auch in der Zukunft der Fall sein würde. Damit wird bestätigt, dass die gängige Praxis unzureichend ist. Freilich, wenn wir davon ausgehen, dass Unternehmen, die sich an einer Umfrage zum Thema Governance beteiligen, sich überdurchschnittlich auf ihre Governance-Strukturen konzentrieren, dann kann es auch sein, dass die führenden Marktpraktiken unzureichend sind.
Hinweis:1. Im Rahmen der eingangs erwähnten Umfrage gaben 81 Prozent der Befragten an, dass ihre Pläne finanziell von Bedeutung sind, 93 Prozent antworteten, dass sie von strategischer Bedeutung sind und 93 Prozent bestätigten, dass sie unter Reputationsgesichtspunkten von Bedeutung sind. |
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Über die Autorin

Vicki Stokoe
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Vicki Stokoe ist Principal im Bereich Retirement, Risk & Finance (RRF) bei Mercer in Toronto. Sie ist zuständig für die globale Dienstleistungspalette von Mercer im Bereich Governance von Versorgungssystemen und berät multinationale Kunden Governance-Strukturen und -Prozessen. Darüber hinaus ist sie für das operative Management von RRF in Kanada und Lateinamerika zuständig.
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