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Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen konstant

DAX30-Studie: Hohe Renditen der Pensionsvermögen halten Deckungslücken in Schach

Zuletzt aktualisiert: 5 Mai 2011

 

Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen lag bei den DAX30-Unternehmen 2010 bei 66 Prozent und hat sich damit im Vergleich zu 2009 nicht verändert. Die Deckungslücke hat sich also nicht vergrößert, obwohl es bei den Verpflichtungen und dem Vermögen deutliche Veränderungen gegeben hat, wie eine aktuelle Mercer Analyse verdeutlicht: Die Pensionsverpflichtungen haben sich 2010 deutlich erhöht, wenn auch mit 11 Prozent etwas weniger stark als noch 2009. Die Pensionsvermögen sind 2010 ebenfalls um rund 11 Prozent angestiegen, was in erster Linie auf hohe Erträge, aber auch darauf zurückzuführen ist, dass viele Unternehmen im letzten Jahr ihren Pensionsvermögen Kapital zugeführt haben.


„Die DAX-Unternehmen sind also auch 2010 mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Steigerungen auf der Verpflichtungs- und auf der Vermögensseite haben sich letztlich neutralisiert“, kommentiert Stefan Oecking, Partner bei Mercer in Deutschland, die Ergebnisse der Analyse. Dieser liegen die bereits veröffentlichten Geschäftsberichte von 22 DAX-Unternehmen, die knapp 95 Prozent der Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen im DAX repräsentieren, zugrunde.

Niedriger Rechnungszins sorgt für deutlichen Anstieg der Pensionsverpflichtungen

Hochgerechnet auf alle DAX30-Unternehmen sind die Pensionsverpflichtungen 2010 auf rund 245 Mrd. Euro gestiegen (2009: rund 220 Mrd. Euro). „Der Anstieg der Pensionsverpflichtungen ist wie schon im Vorjahr zu einem großen Teil auf den gesunkenen Rechnungszins zurückzuführen, der einen großen Einfluss hat“, so Stefan Oecking weiter. Auf Basis des Rechnungszinses ermitteln Unternehmen den heutigen Gegenwert zukünftiger Rentenzahlungen. Er ist vom Kapitalmarkt abhängig und orientiert sich an Unternehmensanleihen hoher Qualität. „Infolge der Finanzmarktkrise war der Rechnungszins 2008 auf etwa 6 Prozent gestiegen und hatte damit den Umfang der Pensionsverpflichtungen gedrückt. Im Jahr 2009 hatten die Unternehmen den Rechnungszins bereits deutlich auf durchschnittlich rund 5,3 Prozent senken müssen. Der Trend der sinkenden Zinsen kam auch Ende 2010 wieder zum Tragen mit einer Reduzierung auf rund 5,0 Prozent für Pensionsverpflichtungen in Euro“, erläutert Oecking. Die Unternehmen Siemens und ThyssenKrupp, die bereits am 30.09.2010 Bilanzstichtag hatten, haben aufgrund des damals besonders niedrigen Euro-Zinsniveaus sogar mit nur 4,0 bzw. 4,1 Prozent gerechnet.

Hohe Renditen der Pensionsvermögen gleichen Anstieg der Verpflichtungen aus

Die DAX30-Pensionsvermögen lagen 2009 noch bei 144 Mrd. Euro und erreichen nun rund 161 Mrd. Euro. Ausschlaggebend für diesen hohen Anstieg war eine Anlagerendite von im Durchschnitt nahezu 8,6 Prozent, die weit über dem Rechnungszins für die Pensionsverpflichtungen liegt. „Die DAX-Unternehmen haben mit der freien Kapitalanlage ihrer Defined Benefit-Pläne stattliche Renditen erzielt. Unter IFRS sind das Pläne, bei denen die Risiken, aber auch die Chancen beim Unternehmen liegen. In Deutschland favorisieren viele Unternehmen risikoarme Defined Contribution-Pläne, die in der Praxis über Versicherungen bzw. Pensionskassen umgesetzt werden und damit zu einer recht unflexiblen Kapitalanlage zwingen. Die deutschen Lebensversicherer erwirtschafteten 2009 eine laufende Verzinsung von 4,17 Prozent. 2010 wird die Verzinsung eher niedriger ausfallen und die Versicherer sehen sich zudem mit einer Senkung ihres Garantiezinses auf wenig vertriebsfördernde 1,75 Prozent konfrontiert. „In der Garantie und der höheren Sicherheit der Kapitalanlage bei Versicherungen liegt aber auch der wesentliche Unterschied begründet: Die 8,6 Prozent sind eine Momentaufnahme -  mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Rendite in Zukunft auch einmal wieder ungünstiger ausfallen“, so die Einschätzung von Herwig Kinzler, Leiter der Bereichs Investment Consulting von Mercer in Zentraleuropa.

Pensionsvermögen: Aktienquote gestiegen, Rentenanteil gesunken

Die Zusammensetzung der Pensionsvermögen der DAX30-Unternehmen hat sich 2010 gegenüber 2009 leicht verschoben: So betrug die durchschnittliche Aktienquote mit 26 Prozent 2 Prozentpunkte mehr als 2009 und der Rentenanteil ist um 3 Prozentpunkte auf rund 59 Prozent gesunken. Der Rest entfällt auf Immobilien, Rückdeckungsversicherungen und nicht näher spezifizierte Anlagen. „In Anbetracht der dramatischen Kursschwankungen für Unternehmensanleihen und einige Staatsanleihen in den letzten drei Jahren kann diese Form der Vermögensstruktur gemäß der IFRS-Rechnungslegung allerdings nur einen sehr groben Anhaltspunkt für den tatsächlichen Risikogehalt der Pensionsvermögen bieten“, so Kinzler weiter.

Neuer Standard IAS19 soll riskante Investitionsstrategien vermeiden

In den nächsten Wochen ist die Veröffentlichung einer Neufassung von IAS19 zu erwarten. Bisher setzen die Unternehmen die erwartete Rendite des Planvermögens höher an als den Rechnungszins, was den Aufwand des Jahres senkt. Im Jahr 2010 wurde durchschnittlich ein Rechnungszins von 5,0 Prozent, aber eine erwartete Rendite von 5,7 Prozent unterstellt. „Nach dem neuen Standard wird das voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Damit entfällt zukünftig ein Ertrag in Höhe von etwa 0,6 Mrd. Euro“, erklärt Thomas Hagemann, Chefaktuar bei Mercer in Deutschland. Tatsächlich höhere Erträge aus dem Planvermögen erhöhen nicht den Ertrag, sondern werden als versicherungsmathematische Gewinne oder Verluste erfolgsneutral vereinnahmt.

 

Anmerkung zur Analyse:
Die vorliegende Analyse der Entwicklung von Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen der DAX30-Konzerne im Jahr 2010 wurde auf Basis der bis 18.03.2011 veröffentlichten Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen erstellt. Insgesamt wurden die 22 folgenden Unternehmen einbezogen, die knapp 95 Prozent der Pensionsverpflichtungen der DAX30-Unternehmen repräsentieren: Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Beiersdorf, BMW, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.ON, Henkel, Infineon, K+S, Linde, Merck, Münchener Rückversicherung, RWE, Siemens, ThyssenKrupp, Volkswagen.

 

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